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Ein Artikel der Redaktion NNN

Gartenstadt "Alles, was nett aussieht, wird geklaut"

Von rpoe | 27.11.2012, 08:24 Uhr

Handtasche weg, Portemonnaie weg, Haustürschlüssel weg - so hatte im Frühjahr der Besuch einer älteren Dame auf dem Neuen Friedhof geendet.

Brigitte Karsch, Mitarbeiterin in der Friedhofsverwaltung, erinnert sich noch genau, wie die Frau aufgelöst zu ihr kam. Während sie sich um ein Grab gekümmert hatte, war sie zum Opfer eines dreisten Diebes geworden. "Sie hatte nichts mehr", sagt Karsch, die der Dame Geld für ein Busticket gab und sie zur Polizei schickte. Kein Einzelfall auf dem Friedhof.

Aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß Karsch: Wenn der Frühling kommt und die Leute beginnen, ihre Gräber zu bepflanzen, geht es los. Diebe machen den Friedhof unsicher. Blumensträuße, Engel, Steine oder Kerzen - "Alles, was nett aussieht, wird geklaut", sagt Karsch. Auf dem Friedhof sei immer was zu holen. Auch wer seine Handtasche oder andere Wertgegenstände im Auto liegen lasse oder am Grab abstelle, müsse damit rechnen, bestohlen zu werden. "Das ist Unverstand", sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Am besten bleibe die Handtasche zu Hause.

Denn verhindern lassen sich Diebstähle auf dem Friedhof kaum. "Eine Überwachung ist allein aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich", sagt Dr. Stefan Neubauer, Leiter des Amts für Stadtgrün, das den Friedhof verwaltet. Und auch technisch sei das auf einem so großen Areal mit verschiedenen Ein- und Ausgängen nicht machbar. "Wir können nur appellieren: So etwas tut man doch nicht", sagt Neubauer. Außerdem hat die Hansestadt auf den Parkplätzen Schilder anbringen lassen, die Friedhofsbesucher vor Diebstahl warnen. Da es sich beim Friedhof um einen öffentlichen Raum handle, sei die Stadt hier nicht schadensersatzpflichtig, so der Amtsleiter. "Jeder muss auf seine Sachen aufpassen."