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Eishockey Als Piranha auf Puckjagd und gleichzeitig Profi-Boxer

Von Peter Richter | 11.09.2019, 16:57 Uhr

Der Tscheche Werner Hartmann (REC) ist ein echter Allrounder. Und der Abräumer vor dem eigenen Tor hat ein großes Ziel.

Ein Tscheche heißt Jakub Novák. Oder Ondrej Svoboda. Oder Vojtech Novotný. Aber ganz bestimmt nicht Werner Hartmann. Möchte man meinen.

Die Piranhas des Rostocker Eishockey-Clubs haben den „Gegenbeweis“ in ihren Reihen. Und der lässt sich sogar leicht erklären. „Das ist wegen meiner halben Familie“, sagt der in Ostrava Geborene. Bedeutet: Vater Roman stammt aus Hamburg, Mutter Simona ist Tschechin. Und fast folgerichtig hat Werner Hartmann auch beide Staatsangehörigkeiten.

„Anfangs war ich Stürmer. Als wir mal nicht genug Verteidiger hatten, half ich aus. Dabei blieb es“, erzählt der frühere tschechische Nationalspieler (U 16 bis U 20), wie er sich zum robusten Abwehrmann (1,84 m, 90 kg) entwickelte. „Viel Körperspiel und Zweikämpfe gewinnen“ betrachtet er als seine hauptsächliche Aufgabe.

Doch der Lichtenhäger übt auch außerhalb der weißen Spielfläche eine wichtige Funktion aus: Werner habe zwar einen seltsamen Musikgeschmack, sei aber mittlerweile als DJ im Bus und in der Kabine etabliert, verrät schmunzelnd sein REC-Landsmann Tomas Kurka.

Auf die Frage, wie er zu dieser Rolle gekommen sei, deutet der Crack mit dem kontrastreichen Äußeren (hellblonder Haarschopf, langer schwarzer Vollbart) auf sein Handy. Er habe stets einen Vorrat von mehreren hundert Titeln parat: „Ich mag vor allem Techno sehr.“

Wie die meisten seiner Kollegen beim REC hat auch der Mann mit der Nummer 17 auf dem Trikot einen Saisonvertrag. In der viermonatigen Spielpause kümmern sich die Aktiven anderweitig um ihren Broterwerb.

Hartmann hat zu Hause in Ostrava sein zweites berufliches Standbein. Dort arbeitet er im Sommer als Personal Trainer mit Spezialisierung Fitness/Boxen/CrossFit. Zudem ist er Geschäftsmann, besitzt eine eigene kleine Sportbekleidungsfirma mit Namen Ultimate Sports.

Und: Werner Hartmann ist seit kurzem Box-Profi! Nach 15 Amateurkämpfen, von denen er zehn gewann, debütierte er im Mai in Ostrava bei der Veranstaltung „Silesian War“ („Schlesischer Krieg“) der Organisation „Way of Warrior“ – und besiegte seinen Landsmann Pavel Habr nach Punkten. Etwa 50 000 hat er auf die Weise verdient. 50 000 Kronen. Aber umgerechnet 2000 Euro sind ja auch nicht zu verachten.

Doch jetzt ist erst mal wieder Eishockey-Zeit. Das 11:2 gegen FASS Berlin im zweiten Testspiel vor der Saison 2019/20 in der Oberliga Nord macht Appetit auf mehr.

Auch Hartmann ist heiß. „Für mich persönlich soll es im Team besser werden als letztes Jahr“, sagt der 30-Jährige. Er könne sich in allen Bereichen noch steigern. Die Mannschaft habe natürlich erneut die Teilnahme an den Play-offs im Visier: „Aber wir wollen gern weiter kommen – Halbfinale mindestens.“

Auch das Setzen hoher Ziele gehört augenscheinlich zur anerkannt professionellen Einstellung eines Werner Hartmann. Der von sich selber sagt: „Ich bin der Erste, der in die Kabine kommt, und der Letzte, der rausgeht.“

Zur Person

Werner Hartmann wurde am 26. April 1989 in Ostrava geboren. Das Einmaleins des Eishockey erlernte er beim HC Vitkovice. Später brachte er es in seinem Heimatland auf mehrere Jahre 1. Liga (2008/09 HC VOKD Poruba, 2009/10 SK Kadan, 2010/11 HC Tabor) und bestritt „mindestens 20“ Nachwuchs-Länderspiele für Tschechien. 2014 kam Hartmann nach Deutschland. Nach Engagements bei GEC Ritter Nordhorn, Hannover Indians und ESC Wohnbau Moskitos Essen ist er seit der vergangenen Saison ein Piranha.

Das sagt der Trainer

Christian Behncke (REC Piranhas): Werner ist ein Publikumsliebling und auch in der Kabine ein Rückhalt der Mannschaft – ein Leader einfach. Er hat Erfahrung und bringt sie in das Team ein. Was er auf dem Eis macht, hat immer Hand und Fuß, er behält stets den Kopf oben. Und Werner weiß auch, wann er mal zu einem härteren Check gehen muss.