Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Amt: Countdown-Ampeln sinnlos

Von Katrin Zimmer | 20.01.2018, 05:00 Uhr

Rostocker Verkehrsbehörde rät von Signal mit Zeitanzeige ab. Untersuchungen in Hamburg und Berlin zeigen keine Sicherheitsverbesserung

Drei, zwei, eins, los: Um die Sicherheit im Straßenverkehr vor allem für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen, soll die Stadt prüfen, ob in Rostock Countdown-Ampeln installiert werden können. So lautet der Vorschlag der Bürgerschaftsfraktion SPD, solche Anlagen hätten sich in anderen Städten bereits bewährt. Doch das Amt für Verkehrsanlagen wiegelt ab. „Eine Installation würde nur bei einer Festzeitsteuerung Sinn machen, die meisten Anlagen in der Stadt werden aber schon verkehrsabhängig gesteuert“, erklärt Mitarbeiterin Andrea Wolf dem Ausschuss für Stadtentwicklung.

Wenn also beispielsweise ein Fußgänger die Taste gedrückt hat, ein bevorteilter Verkehrsteilnehmer wie die Straßenbahn ein Signal anfordert, würde der Countdown nicht weiter herunter zählen, sondern wieder auf einen höheren Wert springen, heißt es aus dem Amt. Der einzige Ort, an dem eine Countdown-Ampel aus Sicht der Stadt noch sinnvoll wäre, sei die Breite Straße, so Wolf, aber auch die werde in naher Zukunft umgebaut.

Die Verkehrsexpertin unterstreicht: „Countdown-Ampeln können sogar unsicherer sein. Wenn die Ampel beispielsweise anzeigt, dass noch 70 Sekunden bis zur Grünphase verbleiben, was einem sehr lange vorkommt, kann die Tendenz steigen, bei Rot zu gehen“, skizziert Wolf. Auch sei es wahrscheinlich, dass Fußgänger in den letzten verbleibenden Sekunden zu früh die Straße betreten würden.

Mehr Informationen:

Überblick: Diese Varianten von Fußgängerampeln gibt es


Überblick: Diese Varianten von Fußgängerampeln gibt es


In Deutschland gibt es Millionen Signalanlagen mit Ampelmännchen in Rot und Grün. Weitere Varianten:  Countdown-Anzeige: Die Ampel zählt die verbleibenden Sekunden während der Rotphase. Zusätzlich können die Sekunden der Grünphase heruntergezählt werden. Unter anderem in Hamburg gibt es solche Ampeln.Gelbphase: Wie für Autos gibt es außer Rot und Grün ein gelbes Signal. Es folgt auf die Grünphase. Solche Fußgängerampeln stehen in Düsseldorf.Blinksignale: Rot oder grün blinkende Anlagen gibt es für Fußgänger in Berlin. Rot blinken bedeutet, dass der Überweg nicht mehr betreten werden soll, aber noch Zeit zum Verlassen bleibt. Grün blinken heißt: Fußgänger dürfen noch losgehen, Langsame sollten warten. Anforderung: Viele Fußgängerampeln werden erst durch Drücken einer Vorrichtung aktiv.Akustiksignal: Damit auch Sehbehinderte sicher über die Fahrbahn kommen, erklingen  akustische Signale.

Untersuchungen in Hamburg und Berlin hätten 2013 ergeben, dass die Verkehrssicherheit nicht spürbar gesteigert worden ist. „Dass diese Ampeln nicht überall sinnvoll wären, ist klar. Es müsste individuell geprüft werden“, unterstreicht Ausschussmitglied Ingrid Bacher (SPD) den Antrag ihrer Fraktion. „Aber wenn schon jetzt klar ist, dass die Ampel die Sicherheit nicht erhöhen würden, wie die Beispiele in Hamburg und Berlin zeigen, müssen wir uns doch fragen, was das soll“, entgegnet Kay Nadolny (Linke). Ausschusskollegin Karina Jens (CDU) ergänzt: „Ein Prüfauftrag würde also nur unnötige Kräfte der Verwaltung verbrauchen, die an anderer Stelle genutzt werden könnten.“

Das Gremium hat mehrheitlich gegen den Antrag der SPD entschieden. Ein endgültiges Votum soll die Bürgerschaft am 31. Januar abgeben.

Kommentar von Katrin Zimmer: Bitte warten? Nein, danke.
Es klingt nach einer schönen Idee, am Straßenrand nicht in Unwissenheit warten zu müssen, bis endlich das grüne Männchen auftaucht. Wenn es aber keine Belege dafür gibt, dass sie die Sicherheit erhöhen – siehe Hamburg und Berlin – und die Experten aus dem Verkehrsamt jetzt schon wissen, dass Countdown-Ampeln in Rostock wegen der Schaltung keinen Sinn machen würden, wäre das eine völlig unsinnige Investition, die Verwaltung auch nur mit der Prüfung zu beschäftigen. Und wie unbefriedigend wäre es denn, wenn die Sekundenanzeige von drei wieder auf 35 ansteigt, weil eine Straßenbahn passieren muss? Also ich wäre auf jeden Fall frustriert und geneigt, beim nächsten Mal gar nicht erst zu drücken …