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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Angehörige gedenken verstorbener Kinder

Von Kazi | 16.12.2014, 10:00 Uhr

Pastorin Hilke Schicketanz hält jedes Jahr zusammen mit den Hinterbliebenen eine Trauerfeier ab

Bunte Windräder, unzählige Blumen, Kerzen und Bären aus Keramik sind um den grauen Gedenkstein auf dem Rostocker Westfriedhof drapiert. Dort abgelegt von Eltern, Großeltern, Tanten, Onkeln und Geschwistern der Kinder, die aufgrund ihres zu geringen Geburtsgewichtes unter 1000 Gramm nicht stark genug waren, um ein Leben auf Erden führen zu können.

Seit 13 Jahren wird jedes Jahr am Montag nach dem zweiten Sonntag im Dezember, dem weltweiten Gedenktag der verstorbenen Kinder, eine Gedenkfeier für deren Angehörige auf dem Westfriedhof veranstaltet – so auch gestern Vormittag. Seit 2002 führt Pastorin Hilke Schicketanz durch die Gedenkfeier. Sie weiß: „So ein Ort zum Trauern ist für die Angehörigen der verstorbenen kleinen Leben unglaublich wichtig, um das Erlebte verarbeiten zu können.“ Sie kann die Trauer der Betroffenen überaus gut verstehen und schildert aus Erfahrung, dass es ihnen oft besonders schwer fällt, den Verlust zu verkraften, wenn ihr Umfeld die Situation herabwürdigt und ihnen Unverständnis entgegenbringt. Aussagen wie „das Kind war doch noch gar nicht geboren“ oder „ihr seid doch noch jung, ihr könnt es doch weiter versuchen“, helfen den Betroffenen kaum, weiß Schicketanz. „Selbst wenn die Eltern noch weitere Kinder bekommen, wird es niemals das eine sein, von dem sie sich verabschieden mussten“, sagt die Pastorin.

„Dem totgeborenen Leben“ steht auf dem Grabstein, der die Gedenkstätte ziert, welche durch die Universitätsfrauenklinik am Klinikum Südstadt eingerichtet wurde. Seit 2001 mussten dort insgesamt knapp 400 totgeborene Kinder aufgrund ihres zu geringen Geburtsgewichtes beerdigt werden. Die Kinder werden anonym und ohne eine offizielle Trauerfeier bestattet, erklärt Pastorin Schicketanz. „Die Kosten für die Bestattungen und die Grabpflege übernehmen dabei glücklicherweise das Klinikum und die Hansestadt, denn für die so genannten Schmetterlingskinder besteht keine Bestattungspflicht, sodass den Eltern auch keine finanzielle Hilfe gewährleistet werden würde“, fügt die Pastorin hinzu.