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Kunden um 660 000 Euro geprellt Anlagebetrüger muss vier Jahre in Haft

Von Ise Alm | 30.12.2010, 06:58 Uhr

Wegen Anlegerbetrugs ist ein 44-Jähriger zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Laut dem Rostocker Landgericht habe er die Unternehmen "Impec" und "Fetrax" gegründet, um Kunden zu betrügen.

Er fuhr regelmäßig in den Tauchurlaub, überwies großzügig Geld an seinen Vater und einen Polizisten: Die 1. Große Strafkammer des Landgerichtes hat gestern den Unterhaltungsmusiker und Versicherungskaufmann Steffen H. (44) aus Rostock wegen Betruges in zwei Fällen zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Angeklagte gründete 2001 die Firma "Impec" mit scheinbarem Firmensitz in London. Tatsächlich befand sich sein Büro in Rostock. Ziel war es, eine möglichst große Zahl an Kunden zu gewinnen, die sich als stille Teilhaber an dem Unternehmen beteiligten. Bei der Schweizer UBS-Bank sollte das Geld gewinnbringend angelegt werden. Den Anlegern wurden zunächst Rendite von fünf Prozent auf Dollarbasis, nach der Umstellung auf Euro bis zu neun Prozent versprochen.

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die von der Alleintäterschaft des Angeklagten ausging und eine Strafe von fünfeinhalb Jahren gefordert hatte, sah das Gericht Steffen H. nicht als alleinigen Akteur und Profiteur. Mittäter war nach Auffassung des Gerichts Norbert W., ein langjähriger Freund. Gemeinsam bauten sie ein weit verzweigtes Vertriebsnetz auf. Die unbedarften Vermittler gewannen die Kunden zum Großteil aus ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis. Bis 2003 legten mindestens 28 Kunden 116 400 Euro an. 2003 wurde die Firma wegen Vermögenslosigkeit aus dem Handelsregister gestrichen. Das Geld war aufgebraucht.

Auf Rückgabetermine mit Ausflüchten reagiert

Die Akteure gründeten 2004 die Fetrax Ltd. nach gleichem Muster. Mit dieser Firma wurden 127 Kunden geworben, mit denen Verträge in Höhe von insgesamt 550 000 Euro abgeschlossen wurden. "Das ganze Unternehmen war von Anfang an auf Betrug angelegt", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Steffen H. und sein Freund suggerierten den Kunden, dass es sich bei der "Mutterfirma" aus London um ein bedeutendes Unternehmen handele und alle Gelder bei der Schweizer UBS sicher angelegt seien. Aber die Briefbogen wurden nach Vorlagen des Angeklagten in Greifswald und Rostock gedruckt. "Es war alles die gleiche Soße aus der Kröpeliner Straße 78", so der Richter. Es gebe keinerlei Hinweise auf irgendeine Anlage des Geldes. Als die Verträge zur Auszahlung anstanden, reagierte der Angeklagte mit Ausflüchten. Er nutzte die Umstellung auf Euro, um die Fälligkeiten zu verlängern. Alle Kunden müssen einem Totalverlust ihres Geldes ins Auge sehen.

Wo ist das Geld geblieben? Da wären zunächst 60 000 Euro, die der Zeuge Gilberto Sw. an der Börse verzockte. Eine hohe fünfstellige Summe wurde auf das Konto des Vaters des Angeklagten überwiesen. Steffen H. und sein Freund W. finanzierten mit Kundengeldern ihr aufwändiges Hobby, den Tauchsport, und nicht zuletzt erhielt ein Polizeibeamter 41 000 Euro. Der Richter äußerte deutliche Kritik an der Staatsanwaltschaft, da diese bisher weden den Polizisten noch Norbert W. angeklagt habe. Gegen das Urteil kann ein Revisionsantrag gestellt werden.