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Ein Artikel der Redaktion NNN

Kreatives Open-Air-Klassenzimmer Annäherung an Tom Sawyer

Von CLLA | 28.06.2018, 08:00 Uhr

Schulprojekt des Volkstheaters findet diesmal in den Rostocker Wallanlagen statt.

Herumliegende, zum Teil splitternde Holzbretter, Nägel, Hammer und Zange – während von der Fußgängerzone aus Touristen die Szenerie beobachten und sich fragen, was die Jugendlichen in der Talsohle der Wallanlagen mit dem Baumaterial vorhaben, lassen sich Emelie und ihre Mitschülerinnen nicht beirren. Ganz gezielt versenken die drei Siebentklässlerinnen Nägel im Holz ihres Hexenhauses, wie sie das Bauwerk selbst getauft haben. „Das ist schon ganz schön anstrengend und etwas ganz anderes als das, was wir bisher im Werkunterricht gemacht haben“, sagt Emelie.

Die gesamte laufende Woche ist Rostocks innerstädtische Parkanlage ein grünes Freiluftatelier für die Klasse 7b der Förderschule Danziger Straße und das Künstlerpaar Iris und Reinhard Thürmer. „Das Schulprojekt entstand aus einer Kooperation zwischen der Rostocker Kunstschule und dem Volkstheater“, sagt der freischaffende Bildhauer. Im vergangenen Jahr sei passend zum Kinderstück des Sommertheaters in der Halle 207 – Moby Dick – ein Wal aus Ästen und Zweigen gebastelt worden. Diesmal sind die Abenteuer von Tom Sawyer das Thema. „Die Schüler durften zur Vorbereitung eine Probe des Stücks sehen und waren voll dabei. Es hat total ihren Nerv getroffen“, weiß Klassenlehrerin Tina Schlüter, die mit den Künstlern und Theaterpädagogin Manuela Morlok das kreative Tun der 14 Mädchen und Jungen begleitet. „Dabei lernen sie vor allem soziale Aspekte, wie gut Dinge gelingen, wenn man als Team zusammenarbeitet“, sagt Klassenlehrerin Schlüter. Dass es wichtig ist, nach Niederlagen wieder aufzustehen, hätte zum Beispiel die Mädchengruppe erfahren, als ihr Holzhaus ohne Fremdeinwirkung einstürzte, sagt Künstlerin Iris Thürmer. Mittlerweile steht der Bretterbau wieder stabil.

Im Gegensatz zur Wal-Bastelei sind die Teilnehmer des Schulprojektes diesmal frei darin, was sie entstehen lassen. „Ich hätte zum Beispiel ein quadratisches Haus vorgeschlagen, aber die Mädchen wollten unbedingt ein Spitzdach. Auch ich musste mich also von festen Vorstellungen lösen und treiben lassen – ganz passend zum Theaterstück“, sagt Reinhard Thürmer.

Er schwärmt von dem Ort des Projektes, der durch die Lage mitten in der Stadt den Kontakt mit Publikum, aber gleichzeitig auch die Ruhe zum Arbeiten bietet. „Die Wallanlagen sind so idyllisch gelegen und erinnern dabei an die ostamerikanischen Landschaften, um die es auch bei Tom Sawyer geht“, so Thürmer.

Dank einer Genehmigung der Stadt dürfen die Bauwerke der Schüler noch bis Ende Juli stehen bleiben – so lange, wie auch Tom Sawyer in der Halle 207 läuft.

Das Projekt
... ist eine Kooperation zwischen dem Volkstheater, der Kunstschule und dem Förderzentrum Danziger Straße. ... hat das Ziel, dass sich die Jugendlichen mit dem jeweilen Familienstück des Sommertheaters in der Halle 207 beschäftigen – diesmal „Die Abenteuer des Tom Sawyer“. Aufführungen: 1., 4., 11., 15., 21., 25., 26. und 29. Juli – je 11 Uhr; 3., 10., 17., 24. und 25. Juli – je 18 Uhr