Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Archäologie Geschichte zum Anfassen: Das sind die Pläne fürs Landesmuseum

Von Torben Hinz | 04.11.2018, 18:00 Uhr

2025 soll das Archäologische Landesmuseum MV im Rostocker Stadthafen seine Türen öffnen. Auf der Tagung der Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum am Sonnabend im Hauptgebäude der Universität Rostock stellten Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen und Uni-Prof. Hans-Jörg Karlsen ihre Ideen vor, um die Menschen für die reichen Funde in Mecklenburg-Vorpommern zu begeistern. Die klassischen Vitrinen wollen sie dabei nicht sehen, sondern faszinierende Geschichten erzählen.

Was geschah, als die letzten Jäger und Sammler im heutigen MV um 3000 vor Christus auf neu einwandernde Bevölkerungsgruppen trafen? Warum benötigten die Bewohner des heutigen Melz im Süden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte um 2000 vor Christus Bronzewaffen? Und was passierte auf dem Schlachtfeld an der Tollense? All diese Fragen wollen Uni-Prof. Hans-Jörg Karlsen und Landesarchäologe Dr. Detlef Jantzen im neuen Archäologischen Landesmuseum (ALM) aufnehmen, das bis zur Bundesgartenschau 2025 seine Türen im Rostocker Stadthafen öffnen soll. Auf der Tagung der Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum (IPAL) am Sonnabend im Hauptgebäude der Uni Rostock legten sie erste Ideen dafür vor.

"Wir wollen Geschichten erzählen, den Funden ein Gesicht geben", sagt Karlsen. Die klassische, öde Vitrinenschau schließen die beiden dabei aus. Stattdessen setzen sie auf Interaktion und moderne Präsentationsformen. Warum nicht die Besucher ihr eigenes Großsteingrab bauen lassen, sie auf berühmte Archäologen treffen lassen, sie sich in der virtuellen Umkleidekabine als Fürstin verkleiden lassen? "Wir wollen neueste Technologien nutzen, ungewohnte Blickwinkel eröffnen, Begeisterung wecken und alle Altersgruppen ansprechen", sagt Karlsen, den Jantzen ergänzt: "Man kann es heute einfach anders und besser machen, als in unserer Kindheit - wir wollen etwas Unverwechselbares schaffen."

Dazu könnten auch die Ausgrabungen am Primelberg in Rostock-Dierkow als Außenstandort einbezogen werden. Dortige Siedlungsspuren reichen bis in das 7./8. Jahrhundert zurück, erklärt Rostocks Kulturamtsleiterin Michaela Selling. Der Primelberg könnte "zeigen, wie eine Grabung funktioniert, wie eine Siedlung im 7./8. Jahrhundert aussah und wie die Menschen damals lebten". Das fasziniert auch Carsten Schmoldt von der IPAL. "Das sind unsere Vorfahren", sagt er. Und so "eine Live-Ausgrabung gepaart mit einer Dauerausstellung, das gibt es nicht oft auf dieser Welt".

Er zeigte sich aber auch erfreut über die neuesten Zahlen zur Größe des Archäologischen Landesmuseums, die Kristina Süße aus dem Bildungsministerium MV mitgebracht hatte. Demnach "soll das Museum über eine Nutzfläche von gut 5000 Quadratmetern verfügen", so Süße. 2000 Quadratmeter sind für eine Dauerausstellung vorgesehen, wobei 500 Quadratmeter davon kindgerecht gestaltet werden sollen, 800 Quadratmeter stehen für wechselnde Sonderausstellungen zur Verfügung und 500 Quadratmeter für Tagungen und Konferenzen. Außerdem eingeplant sind Shop, Cafeteria, Werkstatt, Büros und Lagerflächen.

Derzeit laufe ein Architektenwettbewerb. "Wir bauen dort nur einmal in den nächsten 200 Jahren", sagt Süße. Da müsse alles passen. Der designierte Museumschef, Hans-Jörg Karlsen, wünscht sich in jedem Fall ein offen und kostenfrei zugängliches Foyer, in dem beispielsweise der Fund des Monats, Figuren aus den kostenpflichtigen Ausstellungen und Informationen über aktuelle Grabungen im Land warten. "Wir wollen einen Erlebnisraum für alle schaffen", so Karlsen.