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Flutschutz in Rostock Anwohner und Häuser in Groß Klein Dorf sind gefährdet

Von Stefan Menzel | 01.10.2020, 22:25 Uhr

Das Schadenspotenzial bei einer Flut soll nicht ausreichen, damit eine Barriere gegen ein Hochwasser Priorität hätte.

Statistisch alle 200 Jahre tritt in Rostock ein Hochwasser auf, durch das Teile der Innenstadt, Warnemünde und auch die bevölkerungsreichen Stadtteile im Nordwesten bedroht sind. Menschen und Vermögenswerte in diesem Fall durch Barrieren zu schützen, ist Aufgabe des Landes, das dafür wie am Südende des Alten Stroms in Warnemünde Millionensummen investiert.

Die Flutschutzmauer für den Stadthafen hat das Land nach ersten Zahlen bereits abgelehnt, weil ein zu geringer Schaden prognostiziert wird. Zu wenig Wertvolles sei auch in Groß Klein Dorf bedroht, sagte Hochwasserschutzexperte Lars Tiepolt, Abteilungsleiter im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu MM) auf der vergangenen Sitzung des zuständigen Stadtplanungsausschusses der Bürgerschaft.

Weiterlesen: Muss Rostock selbst für den Flutschutz zahlen?

Mit dem Neubau der Feuerwehr bleibt das Schadenspotenzial gleich

Doch anders als im Stadthafen würde laut Tiepolt das Land die Barriere für den nördlichen und überflutungsgefährdeten Teil bezahlen. Sie sei jedoch auf einer verwaltungsinternen Prioritätenliste nach hinten gerutscht.

Der Grund: "In Groß Klein haben wir das Problem, dass das Schadenspotenzial sehr klein ist", so Tiepolt. Das sei bereits mit der Stadt und dem Kommunalen Eigenbetrieb für Objektentwicklung und -bewirtschaftung (KOE) besprochen.

Der KOE ist in Groß Klein Dorf verantwortlich für den Bau eines neuen Gebäudes für die Freiwillige Feuerwehr und die Sanierung oder den Neubau der Feuerwache See, die laut KOE-Sprecherin Josefine Rosse "mittelfristig" und "perspektivisch" vorgesehen sind. Doch auch diese Investitionen können nicht zu einer nachträglichen Erhöhung des Schadenspotenzials herangezogen werden, so Tiepolt.

Anhebung der Werftallee soll Warnemünde und Neubaugebiet schützen

Teilweise gibt Rathaussprecher Ulrich Kunze jedoch Entwarnung für Groß Klein. Grundsätzlich sei der Stadtteil vor einer 100-jährigen Sturmflut geschützt, was immerhin einem Wasserstand von zwei Meter über dem so genannten Normalhöhennull (NHN) entspricht.

Zudem werde das nördliche Neubaugebiet zwischen den Straßen Zum Laakkanal und Werftallee geschützt, sobald die Werftallee entsprechend angehoben werde. Laut Bausenator Holger Matthäus (Grüne) ist der Stadt jedoch noch nicht bekannt, wann das Stalu MM diesen Lückenschluss für den Hochwasserschutz umsetzt. Erst mit dieser Barriere könnte eine Flutung des Warnemünder Hinterlandes verhindert werden.

Barriere würde über Privatgrundstücke verlaufen

Laut Kunze könnte Groß Klein Dorf durch weitere Barrieren geschützt werden. Ausgehend von der Warnowallee im Westen bis zur Zufahrt der Feuerwehr durch die Straße Warnowenn ist dafür bereits eine Fläche in einem Bebauungsplan reserviert. "Die notwendige Fortsetzung dieser Trasse, südlich von Warnowenn, führt über private Grundstücke und ist deshalb noch nicht planerisch fixiert", so Kunze.

Besonders alte Häuser sind bedroht

Gespräche mit mehreren Anwohnern vor Ort ergeben, dass jedoch weder Stalu MM noch die Stadt mit ihnen aktuell Gespräche darüber geführt hat. "Wenn das Wasser kommt, kann man es auch nicht mehr ändern", sagte Friedrich Brinckmann fast schon schicksalsergeben.

Seine Familie wohne schon seit mehr als hundert Jahren im Dorf. Da Brinckmanns Haus sehr nahe an der Warnow steht, würde bei einer sehr hohen Flut mindestens sein Keller voll Wasser laufen. Besser hätten es da schon die Besitzer neu gebauter Eigenheime: "Als die gebaut haben, haben sie ihre Häuser gleich höher gesetzt", so Brinckmann.