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Rostock Aufholjagd in Marienehe und Wismar

Von Reiner Frank | 27.01.2010, 01:57 Uhr

Die im Landesverband Hafenwirtschaft organisierten Hafenbetriebe Mecklenburg-Vorpommmerns haben 2009 krisenbedingt Rückgänge zu verzeichnen.

Mit einem Umschlagsergebnis von insgesamt 32,2 Millionen Tonnen stehen Einbußen von 18 Prozent zu Buche, wie die aktuelle Statistik des Verbandes ausweist. Zwischen Wismar und Wolgast fallen die Ergebnisse differenziert aus. In Vierow wurde sogar fast eine Verdoppelung erzielt.

Der Fischereihafen Rostock hat die Umschlagsgröße des Vorjahres bestätigt und sogar noch ein wenig zugelegt. "Noch im August hätte ich das nicht für möglich gehalten", freut sich Hafenchefin Daniele Priebe. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagt Ronald Schulz, Leiter Hafenwirtschaft. "Im letzten Quartal haben wir die Rückstände aufgeholt, allein im Dezember wurden rund 100 000 Tonnen umgeschlagen. Es war ein Gewaltakt, forderte große Kraftanstrengungen und höheren Kostenaufwand", merkt er an. Vor allem Holz bestimmte das Umschlaggeschehen in Marienehe, aber auch Getreide, Roheisen, Dünger und Kühlhausgüter. Investitionen in der Schienanbindung zahlten sich aus. Der Eisenbahnverkehr wuchs im Vergleich zu 2008 von 145 000 auf 315 000 Tonnen Transportleistung. Im neuen Jahr knüpft der Fischereihafen daran nahtlos an. Als neues Frachtgut ging hier gestern Braunkohle über die Kaikante. Und auch Fischumschlag wird in Kürze am Kühlhaus wieder erwartet. Möglicherweise verstärkt, denn die Belieferung der Firma Hawesta in Schlu tup bietet sich von Rostock aus an, so Priebe.

Durch eine deutliche Belebung der Holzproduktion im zweiten Halbjahr konnte der Seehafen Wismar seine Rückgänge auf acht Prozent beschränken, zeigt sich auch Wismars Hafen-Geschäftsführer Michael Kremp zufrieden. Weitere Aktivposten bildeten hier der Metall- und Salzumschlag. Bis Mai soll in Wismar ein neuer Liegeplatz fertiggestellt sein und auch eine etwa 10 000 Quadratmeter große Lagerfläche entstehen. Längerfristig soll die zweite Ausbaustufe der Hafenerweiterung und die Vertiefung der Zufahrt die Leistungsfähigkeit des Hafens an der Wismarer Bucht erhöhen. Etwa 100 000 Tonnen weniger Metalle gingen im Vorjahr im Hafen Stralsund über die Kaikanten. Das Dilemma der Werften hinterließ seine Spuren. Hafen-Geschäftsführer Wolfgang Ostenberg wertet das als maßgebliche Ursache dafür, dass das Vorjahresergebnis nicht erreicht wurde. Gips, Holz, Getreide und Palettenware gehörten zu den Aktivposten im Umschlag, in dem 2010 im Vergleich zum Vorjahr ein wenig besser begonnen werden konnte. So wird wiederum eine Million angesteuert. Investitionen in der Infrasruktur würden dafür gute Voraussetzungen bilden. Der deutliche Rückgang, den der Fährhafen Sassnitz zu verzeichnen hat, sei maßgeblich dem Fährverkehr geschuldet, erklärt Marketingleiter Detlef Unger. Einbußen um mehr als 30 Prozent waren zu quittieren. Zumal das inklusive Waggons und Lkw gerechnet wird, war das durch Steigerungen im konventionellen Umschlag nicht zu kompensieren, so Unger. Dabei gab es mit knapp einer Million Tonnen die bislang größte Menge. Das waren vor allem Rohstoffe für den Pipelinebau via Russland und auch etwa 900 Rohre für Nordstream. Mit dem Ausbau von Nischenprodukten wie Holz und Kalkstein wahrt der Hafen Greifswald seine Chancen und konnte sich zum Vorjahr ein wenig steigern. Hafendirektor Joachim Gramkow hofft, auch 2010 das Ergebnis zu halten. Gegenwärtig blockiert Eis die Hafenzufahrt. Ein avisiertes Schiff musste umgelenkt werden. Der Umschlag von Getreide und Dünger bestimmt im Peenehafen Wolgast das Umschlaggeschehen. Mit dem Bau einer 1000 Quadratmeter großen Lagerhalle wurden hier bessere Rahmenbdingungen geschaffen, so Hafenleiter Hellmut Heinz. Ab März verspricht auch der Ausbau der Peene auf 7,50 Meter Wassertiefe dem Hafen weiteren Auftrieb. Größere Getreidefrachten könnten dann den Weg über Wolgast nehmen.