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Norddeutsche Neueste Nachrichten Banken kassieren bei Dispokrediten ab

Von dapd/AFP | 15.09.2010, 01:57 Uhr

Ein Großteil der deutschen Banken verlangt für die Inanspruchnahme eines Dispokredits von ihren Kunden Zinssätze im zweistelligen Bereich.

Das ergab eine Umfrage der Stiftung Warentest bei knapp 1000 Instituten, wie die Verbraucherschutzorganisation gestern mitteilte. Vor allem kleine und regionale Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken verlangten im Schnitt 0,5 Prozentpunkte mehr als überregionale Banken. So werden laut Testergebnis bei der Raiffeisenbank Gefrees 14,95 Prozent Zinsen fällig, bei einem Kontomodell der Targobank (ehemals Citibank) zahlt der Kunde sogar 16,99 Prozent Dispozinsen. Häufig sei es für Bankkunden sehr schwierig, überhaupt Informationen zu den anfallenden Dispozinsen zu erhalten, bemängelten die Verbraucherschützer. Aus Sicht der Organisation sind die hohen Zinssätze beim Dispokredit kaum zu rechtfertigen. Durch die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf nur 1,0 Prozent müssten auch die Zinsen für Kredite fallen. In der Studie, die in der Zeitschrift "Finanztest" nachzulesen ist, gibt es aber auch vorbildliche Geldinstitute. So verlangen viele Direktbanken Zinssätze im einstelligen Bereich. Vergleichsweise gute Konditionen bieten auch die PSD Banken und einige kleine Filialbanken.

Was Bankkunden über Dispozinsen wissen sollten und wie sie sich vor zu hohen Zinsen schützen können, haben wir im Folgenden zusammengestellt.

Was sind Dispo- und Überziehungszinsen?

Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gibt die Bank für die

Kontoüberziehung einen Dispositionskredit - kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozins. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese sind oft mehrere Prozentpunkte höher.

Wo erfahren Bankkunden, wie hoch ihre Dispozinsen sind?

Banken informieren darüber mit Aushängen in ihren Filialen oder auf ihren Internetseiten. Auch die Berater erteilen Auskunft. Eine weitere Informationsquelle ist der Kontoauszug, wenn fällige Zinsen abgerechnet werden, etwa zum Ende eines Quartals. Dann müssen die Konditionen auf den Kontoauszügen abgedruckt werden. Um die Dispozinsen verschiedener Institute zu vergleichen, gibt es spezielle Internetseiten wie fmh.de oder biallo.de.

Was sind die Vor- und Nachteile von Dispokrediten?

Vorteil ist, dass Dispokredite nicht erst beantragt werden müssen und sofort verfügbar sind. Die Zinszahlungen verringern sich zudem mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto. Nachteil ist die Zinshöhe, die oft im zweistelligen Bereich liegt. Außerdem können Banken Dispokredite kurzfristig kündigen und zurückfordern, etwa wenn sie Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Kunden bekommen.

Wie können Bankkunden hohe Dispozinsen umgehen?

Verbraucher können mit ihrem Institut vereinbaren, dass ein Konto nicht überzogen werden darf. Finanzexperten raten aber oft dazu, zumindest einen Dispo-Rahmen von 500 Euro zu belassen. So ist es möglich, dass regelmäßig fällige Beträge wie etwa Telefonrechnungen auch etwa während einer Urlaubsreise abgebucht werden können. Dadurch lassen sich unter Umständen teure Mahngebühren sparen, welche die Kosten für Dispozinsen übersteigen können. Bankkunden können daneben mit ihren Instituten auch über die Höhe der Dispozinsen verhandeln.

Gibt es Alternativen zum Dispokredit?

Bei größeren Ausgaben raten Verbraucherschützer davon ab, das Girokonto dauerhaft zu überziehen. Sie empfehlen einen Raten- oder Abrufkredit mit niedrigeren Zinsen. Ratenkredite sind Darlehen über eine bestimmte Summe und einen bestimmten Zinssatz, die in einem festen Zeitraum zurückgezahlt werden. Abrufkredite funktionieren ähnlich wie Dispokredite mit einem Kreditrahmen, jedoch muss meist monatlich ein bestimmter Betrag zurückgezahlt werden.