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Norddeutsche Neueste Nachrichten Barlachs Schaffen gewürdigt

Von Dr. Herbert Knop, Crivitz | 16.11.2013, 03:08 Uhr

zu: "Unorthodoxes Sehnen nach Menschlichkeit" (Ausgabe vom 21.

Oktober 2013).

Es ist zu begrüßen, dass unsere Zeitung den Künstler Ernst Barlach anlässlich seines Todestages würdigen will. Leider aber wird der Beitrag der großen Bedeutung dieses Künstlers sehr wenig gerecht, da er Ungenauigkeiten enthält. Einige Beispiele: Die Plastik "Die Krautpflückerin" von 1896/97 entstand nicht in Paris, sondern sie war Barlachs Abschlussarbeit als Meisterschüler des Dresdner Bildhauers Robert Diez.

Unerwähnt bleibt, dass Barlach erst nach der Russlandreise 1906 seinen ganz eigenen Stil fand. Anders als die Symbolisten und die Jugendstilkünstler kam Barlach zu einer radikalen Vereinfachung seiner Bildsprache, die Aufsehen erregte. Seine "russischen" Figuren - Bettler, Bauern u. ä. - machten Kritiker und Sammler auf den Künstler aufmerksam. 1907 sind Werke von ihm in der Ausstellung der Berliner Sezession zu sehen, 1908 wird er Mitglied der Sezession. Immer gibt es neben den Plastiken eine Fülle von grafischen Arbeiten, u. a. zu Goethes "Faust" und zu eigenen schriftstellerischen Werken. Übrigens waren seine Dramen und Erzählungen nicht nur "Versuche", sondern sie spielten eine wichtige Rolle für Barlachs Aufnahme in die Preußische Akademie der Küste.

Geradezu ärgerlich ist in dem Beitrag folgende Passage: "Barlach glänzte mit zahlreichen Gefallenendenkmälern, die wegen ihrer speziellen Formverdichtung heftige Diskussionen auslöste…" Als sei es die Form der Denkmale für Güstrow, Kiel, Magdeburg und Hamburg, die zu den heftigen Angriffen auf den Künstler führte! Es sind ja Antikriegsdenkmale, fern jeder Verherrlichung soldatischen Heldentums und Opferwillens.

So etwas konnte dann von den Nationalsozialisten nicht geduldet werden, sie wüteten: "Seine Art ist nicht unsere Art, sein Blut ist nicht unser Blut!" (H. Lübeß, Schwerin, in: Niederdeutscher Beobachter, 6. Jan. 1934) Die Mahnmale wurden von den Aufstellungsorten entfernt. Nur dem Einsatz von Freunden ist es zu verdanken, dass sie nicht völlig vernichtet wurden und heute wieder zu sehen sind (...).

Freunde, wie Friedrich Schult, Marga Böhmer u. a. haben nach 1945 auch wesentlich dazu beigetragen, dass es heute in Güstrow die Barlach-Gedenkstätten gibt, außerdem Museum das Atelierhaus am Heidberg und die Gertrudenkapelle.