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Basketball Anzuluni hat „trainiert wie ein Verrückter“

Von Lennart Stahlberg | 23.11.2018, 19:21 Uhr

Seit dieser Saison ist Yannick Anzuluni zurück bei den Rostocker Seawolves und überzeugt abermals.

Drei Jahre lang war er fort gewesen. Seit dieser Saison ist Yannick Anzuluni als Small Forward bei den Rostocker Seawolves zurückgekehrt und überzeugt abermals mit seiner Athletik und seiner Fähigkeit, zum Korb zu ziehen. Mit einem Effektivitätswert von aktuell 16,1 liegt er in den teaminternen Statistiken für die ersten zehn Saisonspiele der Rostocker weit vorne.

Doch vielen dürfte der mittlerweile 31-jährige Kanadier mit kongolesischen Wurzeln auch noch aus der Aufstiegssaison 2014/15 ein Begriff sein. Dort führte er die Wölfe bis ins Halbfinale der Meisterschaftsrunde. Ebenso ist Anzuluni wegen seiner Emotionalität auf dem Feld vielen Fans noch lebhaft in Erinnerung gewesen.

Und heute? Heute sei er wesentlich ruhiger geworden, sagt er von sich selbst, habe seinen Fokus verlegt. „Früher wollte ich immer der Beste sein, habe alles dafür gegeben, um dieses Ziel zu erreichen. Ich wollte es einfach jedem beweisen. Da blieb es nicht aus, dass ich auf dem Feld angeeckt bin“, erzählt Yannick Anzuluni. „Aber die Zeit in Schweden hat mich verändert. Ich habe dort viele meiner Ziele erreicht, habe mit dem BC Luleå die schwedische Meisterschaft gewonnen und im Europe Cup gespielt. Jetzt ist es viel mehr so, dass ich weniger auf meine eigene Leistung schaue. Ich komme dem Ende meiner Karriere näher und möchte meine Erfahrung an die Jüngeren weitergeben“, erzählt der 2,06 Meter große Flügelspieler der Wölfe.

In Rostock gefällt es ihm gut. „Ich bin viel in der Welt herumgekommen. Aber die Fans hier sind der Wahnsinn. Als ich hierher zurückgekehrt bin, habe ich mich direkt wieder auf die Atmosphäre gefreut. Aber ich verbinde auch viele schöne Erfahrungen mit der Stadt selbst. Wenn ich hier durch die Straßen laufe, schießen mir immer Erinnerungen in den Kopf, und ich muss lächeln.“

So „richtig verliebt“, wie er sagt, hat Yannick Anzuluni sich allerdings in eine andere Stadt: Stockholm. Wenn sein Vertrag bei den Seawolves ausläuft, möchte der Basketball-Profi deswegen wieder dorthin ziehen. „Eigentlich bin ich jemand, der nirgendwo allzu lange bleibt. In meinem Leben habe ich bis jetzt 54 Länder besucht – ja, ich zähle mit. Aber Stockholm ist so schön, dass ich mich dort mit meiner Freundin niederlassen will. Ganz aufs Reisen verzichten werden wir dann allerdings auch nicht. Australien und Japan sind zum Beispiel noch auf meiner Liste“, erzählt Yannick Anzuluni.

Der Basketball habe ihm die Möglichkeit gegeben, an viele Orte zu reisen. „Ich habe mich auch sehr für Politik interessiert. Mein Vater und meine sieben Brüder sind alle in die Politik gegangen. Ich bin der Einzige, den es zum Sport gezogen hat. Aber als ich das Angebot zum Profi-Basketballer bekommen habe, musste ich nicht lange überlegen. Es war mein Traum.“ Dabei liegen Anzulunis Wurzeln eigentlich beim Fußball. Erst als seine Familie nach Kanada umzog, änderte sich das. „Ich war 14 und habe mit meinem Bruder immer Fußball gespielt. Aber in Kanada waren wir dort die Einzigen. Die anderen Kinder haben alle Basketball gespielt. Und so habe ich es auch mal versucht. Ich wurde in Grund und Boden gespielt. Rückblickend war das einer der peinlichsten Momente meines Lebens. Im Anschluss habe ich Tag und Nacht trainiert. Für Monate. Wie ein Verrückter. Als ich dann wieder gegen diese Kinder gespielt habe, hatten sie keine Chance gegen mich. Das war ein großartiges Gefühl, und die Sucht nach diesem Gefühl hat mich durch meine ganze Karriere begleitet.“

Am Sonnabend bietet sich Yannick Anzuluni und seinen Seawolves die Gelegenheit, die beiden Heimschlappen der vergangenen Spieltage wettzumachen. Um 19.30 Uhr treffen die Rostocker in der Quakenbrücker Artland Arena auf die Artland Dragons. Die beiden Aufsteiger weisen aktuell die gleiche Bilanz (5 Siege, 5 Niederlagen) auf und kennen sich bereits aus der ProB. „Es ist eine wichtige Partie für beide Clubs. Ich erwarte ein schweres, aber interessantes Spiel von hoher Qualität“, so Seawolves-Coach Milan Skobalj.