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Rostock Beamter schmuggelt für den Rotlicht-Boss

Von Ise Alm | 18.05.2012, 11:35 Uhr

Ließ sich einer der Gefängnisaufseher vom Rostocker Rotlichtkönig Artur B.

bestechen? Der Verhandlungsmarathon von 20 Prozesstagen vor der Berufungskammer des Landgerichts steht kurz vor dem Abschluss: Roland R., Beamter im Strafvollzug, soll eine Haftstrafe von einem Jahr bekommen, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Das fordert die Staatsanwaltschaft - wegen Vorteilsnahme im Amt.

Roland R. wird vorgeworfen, für Artur B. Nachrichten, Handys und SIM-Karten in die Justizvollzugsanstalt Bützow geschmuggelt zu haben. Über Mittelsmänner habe er dafür Bestechungsgelder von 15 000 Euro entgegengenommen. Die Staatsanwältin wurde in ihrem Plädoyer am Mittwoch deutlich: "Dies hier ist ein Klassiker. Jeder in der Justizvollzugsanstalt und überhaupt im ganzen Land kannte Artur B., der in Rostock die Fäden zog. Sie wussten also, mit wem sie sich einließen." Aber der Angeklagte habe wohl gedacht, das sei die große Welt, wenn der Rotlichtkönig mit einem eigenen Hubschrauber ankam. Eine wichtige Rolle soll der gerichtsbekannte Norbert W. gespielt haben. Dieser und und Artur B. lernten sich 2002 kennen, als sie in der JVA Bützow in einer Zelle untergebracht waren. Nach seiner Entlassung brauchte Artur B. eine Kontaktperson zu seinen ehemaligen Kumpanen - und er wählte Roland R. dafür aus, argumentierte die Anklagevertreterin. "Das, was hier gezahlt wurde, war für Artur B. eine Kleinigkeit", sagte die Staatsanwältin. Für ihn sei es wichtig gewesen, schnell und mühelos einen Kontakt herstellen zu können, eine so genannte stille Post zu haben. Norbert W. sei in der JVA als Hausarbeiter tätig gewesen und habe so den Beamten Roland R. kennengelernt. Laut Staatsanwaltschaft seien die Geldbeträge zum Teil in bar, aber auch über Schecks geflossen. Die Funktion der Geldübermittlerin habe die damalige Anwältin von Artur B. übernommen.

Artur B. und Norbert W. gaben vor Gericht zu, dass der Angeklagte ihre Kontaktperson war. Außerdem lagen den Ermittlern Quittungen und Kontoauszüge vor, die die Geldzahlungen beweisen konnten. Die Handyüberwachung über Gespräche und SMS-Nachrichten zwischen Artur B. und dem Angeklagten habe zudem eine sehr freundschaftliche Zusammenarbeit signalisiert, so die Anklage. So seien Weihnachts- und Geburtstagsgrüße zwischen ihnen ausgetauscht, aber auch Verabredungen getroffen worden. "Ansonsten AB", übersetzte die Staatsanwältin mit: Treffen am Autobahnkreuz.

Dass die Taten schon lange zurückliegen und der Angeklagte nicht vorbestraft ist, wertete die Staatsanwältin zu seinen Gunsten. Die Verteidigung forderte wie erwartet einen Freispruch. Sollte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgen, wird das auch Auswirkungen auf ein Disziplinarverfahren haben. Roland R. ist seit April 2004 nicht mehr im Dienst. Das Urteil soll schon am Montag verkündet werden.

In einem ersten Verfahren vor dem Amtsgericht Güstrow war der Beamte Roland R. 2009 freigesprochen worden. Gegen das Güstrower Urteil hatte die Rostocker Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.