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Groß Lüsewitz Beim Labor-Bau geschlampt?

Von Claudia Labude | 24.05.2012, 09:24 Uhr

Wurde beim Bau des Groß Lüsewitzer Agro-Bio-Technikums (ABT) gepfuscht? Mit dieser Frage muss sich die Gemeinde Sanitz als Eigentümer des Objektes, in dem sich innovative Unternehmen mit dem Schwerpunkt im Bereich der Grünen Biotechnologie angesiedelt haben, gut sieben Jahre nach dessen Einweihung beschäftigen.

Aufgefallen waren die Mängel nach dem Hochwasser von 2011. "Der Starkregen - teilweise sind damals 120 Liter pro Quadratmeter runtergekommen - hat außen und innen für enorme Feuchteschäden gesorgt. Wir haben bei einem Vor-Ort-Besuch sieben verschiedene Fruchtkörperpilze an diversen Stellen gefunden", sagt Bauamts-Leiter Ralf Höring.

Auf der Sitzung der Gemeindevertretung gab er zusammen mit Bürgermeister Joachim Hünecke (FDP) und Lothar Thesenvitz von der Sanitzer Wohnungs- u. Entwicklungsgesellschaft (Saweg) einen Abschlussbericht. Die Sanierungskosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf 588 000 Euro und könnten sich nach der endgültigen Rechungslegung noch leicht erhöhen. Ein Teil der Kosten wird vom Innenministerium bezuschusst.

Laut Auskunft des Bürgermeisters würde die Gemeinde derzeit durch zwei Gutachter und einen Rechtsanwalt prüfen lassen, "ob nur der Starkregen für die Schäden verantwortlich war oder ob es möglicherweise belangbare Verantwortliche gibt". Nach Abschluss dieser Prüfungen müsse die Gemeindevertretung darüber entscheiden, ob eventuell Regressklagen angestrebt werden. Die Beauftragung dieser Gutachter sei, wie Hünecke gestern erklärte, nichts Besonderes, sondern das "pflichtgemäße Ermessen der Gemeinde, da wir ja mit öffentlichen Geldern handeln". Auf der Gemeindevertretersitzung klang das noch anders. Johannes Müller (SPD) zeigte sich schockiert darüber, "dass unser Haushalt wegen Baupfusch nun 600 000 Euro weniger ausweist".

Nach bisherigen Erkenntnissen wurde damals die so genannte Bauphase neun nicht beauftragt. Diese Leistungsphase bei Bauprojekten beinhaltet unter anderem eine Objektbegehung zur Mängelfeststellung, das Ausbessern möglicher Schäden und die Dokumentation. Wer für diesen Fehler die Verantwortung trägt und ob der Schuldige möglicherweise nachträglich haftbar gemacht werden kann, soll nun, sieben Jahre nach der Einweihung des ABT, geklärt werden.

Die Gemeinde und die Landgesellschaft MV als Betreiber erreichten derweil gestern weitere schlechte Nachrichten. Wie die Polizei mitteilte, hatten Unbekannte in der Nacht Löcher in den Zaun geschnitten, sind dadurch auf das Gelände und in das Forschungsgewächshaus eingedrungen und haben dort zwei Tischventilatoren geklaut. Der Sach- und Diebstahlsschaden beläuft sich hierbei aber nur auf 140 Euro.