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Bramow Boots-Projekt soll Teamgeist wecken

Von Michaela Krohn | 29.05.2012, 08:13 Uhr

Ein altes verrostetes Segelschiff gemeinsam wieder auf Vordermann zu bringen - das ist das Ziel einiger junger Erwachsener.

Sie leisten damit Sozialstunden ab, nachdem sie straffällig geworden sind. Mit der Restauration der "Zmaj" bekommen sie im Verein Kompass Nord eine zweite Chance. Dort soll das Vorhaben ab Juni richtig durchstarten, wenn genügend Projektgelder zusammengekommen sind.

Der "Drache", so die Übersetzung des kroatischen Namen des Schiffs, ist ein elf Meter langes Stahlschiff, das dringend eine Grunderneuerung braucht. Der Rumpf ist von außen völlig verrostet. Auch die Innenausstattung ist stark beschädigt. Zum Beispiel sind Holzbänke und Dielen durch das eindringende Wasser vermodert. Einzig die Technik ist noch gut erhalten. "Gerade bereiten wir uns auf das Projekt vor und entkernen das Boot noch. Alles muss raus, bevor wir mit der eigentlichen Restauration beginnen können", erklärt Karsten Fennel, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Durch eine private Schenkung wurde der Verein neuer Eigner. Doch zunächst musste das Segelschiff von Hamburg überführt werden, ein großer finanzieller Aufwand für den kleinen Verein. Einen Stellplatz haben die jungen Bootsbauer auf dem Gelände der BQG Neptun gefunden, einer Auffang- und Weiterbildungsgesellschaft für ehemalige Werftarbeiter.

Viel Motivation bei den Laienbootsbauern

Besonders handwerklich geschickte Menschen wie Tomasz Raeder werden gesucht. Er hat in der Vergangenheit bereits Sozialstunden abgeleistet und weil ihm das neue Projekt so gut gefällt und er dem Verein immer noch sehr nahe steht, wird er nun auch freiwillig und mit Eifer dabei sein: "Ich war früher selbst kriminell und freue mich nun, dass ich mit dem Schiffsprojekt anderen Jugendlichen helfen kann."

Fennel ist ständig um Materialien und Freiwillige bemüht. Gesucht wird noch ein Bootsbauer, der fachmännisch anleiten kann und den Umgang mit den Straffälligen nicht scheut. Besonders freut Fennel sich darüber, dass die Arbeit schon jetzt auf so gute Resonanz stößt: "Alle sind begeistert und überrascht, wie gut das Projekt angenommen wird. Es gibt schon jetzt, in der Vorbereitungsphase, eine gute Arbeitsmoral und vor allem Teamgeist unter den Jugendlichen. Niemand muss extra motiviert werden."

Das Hauptaugenmerk von Kompass Nord liegt auf lokaler Jugendarbeit. Einen Ort zu schaffen, an dem Verständnis für andere aufgebracht und vor allem Teamwork gelernt werden kann, ist der Antrieb des Vereins. "Die Anfragen nach Projekten, die zur Vermeidung von Haftstrafen dienen, steigen. Diese Tendenz verrät nicht, dass es mehr Straftaten unter Jugendlichen gibt, sondern dass die Urteile sozialer werden. Eine Haftstrafe ist ja nicht immer das beste für die Jugendlichen", erläutert Fennel.

Zunächst soll die "Zmaj" den Jugendlichen vor allem einen Arbeitsplatz und ein Zuhause bieten. Sie lernen Wertschätzung und Zusammenhalt.

Im zweiten Schritt soll das Schiff bis 2014 in neuem Glanz erstrahlen. Dann sind Vereinsausflüge und internationale Begegnungen geplant. Der Verein organisiert in den Sommermonaten Workcamps für Jugendliche aus der ganzen Welt. Die hätten dann mit der Segelyacht ein besonderes Quartier gefunden. Darauf freut sich auch René Pahl. Wofür er Sozialstunden leisten muss, will er nicht sagen, doch auch ihm gefällt die Energie, die er in der Gruppe entwickeln kann: "Es ist schön, gemeinsam an etwas zu arbeiten und sofort ein Ergebnis zu sehen."

Doch bis zur Seetauglichkeit ist es noch ein weiter Weg und Mithilfe jeglicher Art wird ständig gesucht.