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Boxen Wenn eine „Quasselstrippe“ verstummt

Von Peter Richter | 16.10.2019, 22:55 Uhr

Hanne Brügmann ist vor ihren Kämpfen „hammeraufgeregt“, dennoch freut sie sich riesig auf die Deutschen Meisterschaften.

Die Deutschen Nachwuchs-Meisterschaften im Boxen vom 30. Oktober bis 2. November in der Ospa-Arena sind mittlerweile internationalen Gepflogenheiten entsprechend „umbenannt“ worden, „heißen“ jetzt nicht mehr U 21, sondern U 22.

Die Protagonisten sind die gleichen. Zum Beispiel Hanne Brügmann vom ausrichtenden PSV. Sie hat sich in der Gewichtsklasse bis 54 Kilogramm „definitiv eine Medaille“ vorgenommen: „Ich möchte unbedingt vorankommen, Fortschritte sehen. Dafür trainiere ich sehr, sehr viel – an fünf Tagen die Woche. Und ich bin dabei nicht allein – wir arbeiten alle viel gemeinsam für den Erfolg, so auch Lisa-Marie Grimm und Delia Hörmann, die sich auf die Deutschen U18-Meisterschaften vorbereiten.“

Geboren am 11. Oktober 2000 in Lübeck, ist Hanne seit elf Jahren Rostockerin. Im Alter zwischen drei und sechs probierte sie sich im Ballett und beim Karate aus.

Wie aber fand sie zum Boxen? „Mein Schulweg führte an einem cool aussehenden Gym vorbei, und als ich mein Freiwilliges Soziales Jahr teilweise beim PSV im Kindersport ableistete, hatte ich wieder Lust, Kampfsport zu machen.“ Eine wesentliche Rolle spielte der frühere Trainer Hekmat Shbib, der ihr den Weg in die Katakomben der Ospa-Arena ebnete.

Mittlerweile ist die 19-Jährige, die im Rahmen ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin gerade ein Praktikum an der Neurologischen Fachklinik Waldeck in Schwaan begann, im dritten Jahr dabei. Sieben Kämpfe hat sie bestritten, was dafür, dass sie erst seit 2018 wettkampfmäßig boxt, viel sei. Vier davon entschied sie für sich.

Zeit und Muße für zusätzliche Hobbys hat die Norddeutsche Meisterin (2018 in Itzehoe) und MV-Landesmeisterin (2019 in Waren/ Müritz) nicht: „Boxen füllt alles aus, ich komme zu nichts anderem und will es auch nicht“, versichert die 1,65 Meter große junge Frau.

Eine Besonderheit des Blondschopfes: Obwohl kurzsichtig und im „normalen Leben“ Brillenträgerin, kommt Hanne beim Boxen ohne Sehhilfe aus.

Und sie wird, wenn der Ernstfall naht, fast zu einem anderen Menschen.

Wenn eine „Quasselstrippe“ verstummt…

„Ich bin hammeraufgeregt, kriege Hitzeschübe, dass ich mich eigentlich gar nicht mehr zu erwärmen brauche, das ist extrem“, berichtet Hanne Brügmann. „Zwei Stunden vor dem Wettkampf rede ich noch wie immer total viel und lange, aber ab ’ner halben Stunde vorher sage ich nichts mehr.“

Kopfschutz auf, Handschuhe an, volle Konzentration: „Die Zeit unmittelbar vor einem Kampf ist am anstrengendsten. Aber wenn der erste Gong ertönt, ist die Aufregung weg.“

Hoffentlich auch bei den nationalen Titelkämpfen mit Heimvorteil.

Mit dem Russen Kirill Arzhenovskiy (bis 75 kg) ist ein weiterer Boxer vom PSV für die DM der U 22 gemeldet.

Ich traue Hanne eine Medaille zu

Das sagt Trainer Clemens Busse: „Ich traue Hanne eine Medaille zu. Sie macht sich gut, nimmt jede Trainingseinheit wahr und ist sich nicht zu schade, im Sparring auch mal gegen Stärkere anzutreten. Kürzlich hat sie sich am Stützpunkt Frankfurt (Oder) sogar mit EM-Teilnehmerinnen auseinandergesetzt. Wir nutzen am Wochenende das Zwei-Tage-Turnier in Seelze zu einer Standortbestimmung. Danach bekommt sie noch eine Woche Erholung, und dann wird es ja schon ernst.“