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Rostock Brandstifter bekommt zweieinhalb Jahre Jugendstrafe

Von Ise Alm | 02.11.2012, 06:23 Uhr

Das Amtsgericht Rostock verurteilte am Donnerstag den 20-jährigen Rostocker Enrico Sch.

wegen mehrfacher Brandstiftung zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren. Das Gericht ordnete zudem seine Einweisung in die Psychiatrie für unbegrenzte Zeit an. Es folgte damit dem psychiatrischen Sachverständigen, der für den Angeklagten wegen Wahnvorstellungen dringend eine Therapie empfahl.

Schon am ersten Prozesstag hatte Enrico Sch. gestanden, in Rostock im Zeitraum von Juli 2011 bis April 2012 fünf Brände gelegt zu haben. Der spektakulärste Fall war die Feuerlegung in der Gartenanlage "Burkäwer" in Lütten Klein am 17.Dezember 2011. Die Laube in der Pazelle 19 explodierte und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Angeklagte gab zu, durch eine kaputte Scheibe der Laubentür ins Innere gestiegen zu sein, dort mit seinem Feuerzeug ein Papiertaschentuch angezündet, eine Küchenpapierrolle bis in den Wohnraum ausgerollt und das brennende Taschentuch darauf geworfen zu haben. Vom nahe gelegenen Rodelberg hätten er und ein Freund den Brand und den Einsatz der Feuerwehr beobachtet.

Nach demselben Schema verlief die Brandstiftung am ersten Weihnachtsfeiertag in der Kleingartenanlage "Am Draguner Graben" im Elmenhorster Weg. Auch hier hantierte der Angeklagte mit dem Feuerzeug und einem brennenden Papiertaschentuch. Er gestand weiter, am 24. Juli 2011 den Entenstall auf dem Gelände des ASB-Kinderheimes in Lichtenhagen angesteckt und ebenso am 20. November 2011 im dortigen Pferdestall Feuer gelegt zu haben. Am 24. April 2012 gegen 22 Uhr drang Enrico Sch. allein in Langenort in das stillgelegte Heizhaus ein, zündelte diesmal aber gleich an zwei Stellen. Eigentlich wollte er sich dort durch eine Rauchvergiftung das Leben nehmen, sei dann aber doch auf das Dach der Anlage geflüchtet. Dort nahm ihn die Polizei fest. Er gestand, die Feuer Aus Groll zu seinen Mitbewohnern und seinem Betreuer gelegt zu haben.

Das Gericht wertete zu seinen Gunsten, dass er offen und ehrlich war und sich durch eine Therapie helfen lassen will. Auch seine Lebensumstände wurden ihm zu Gute gehalten. Bis zu seiner Verhaftung im April lebte er mit seiner alkoholkranken Mutter in einem Rostocker Obdachlosenheim. "Er hatte bisher Null-Chancen", sagte die Vorsitzende Richterin.

Für die geschädigten Gartenbesitzer ist ein Schaden von insgesamt 16 500 Euro entstanden. Einen Teil haben sie von Versicherungen zurückbekommen, sind jedoch dennoch auf großen Schäden sitzengeblieben. Enrico Sch. entschuldigte sich bei ihnen.