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Denkmalpflege Braucht die Altstadt Regeln?

Von Redaktion svz.de | 18.03.2015, 12:00 Uhr

Berliner Büro analysiert Rostocks historischen Kern. Ausarbeitung könnte Grundlage für eine Gestaltungssatzung sein.

Die städtische Denkmalpflege analysiert gerade mit einem Berliner Büro das Ortsbild der historischen Altstadt. Ziel: Zeigen, was die verschiedenen Bereiche des Viertels ausmacht, und dass eine Satzung sinnvoll wäre, um die Qualität des Stadtteils insgesamt zu halten.

Was, wie baulich verändert werden darf, regelte bislang das Sanierungsrecht in der Altstadt, doch das greift nicht unbefristet. Nach und nach werden die Sanierungsgebiete aufgehoben, so Anja Epper vom Stadtplanungsamt. Sie ist Sachgebietsleiterin für Sanierung und Stadtgestaltung. Die Möglichkeiten für Bauherren wachsen. „Als Verwaltung müssen wir überlegen, wie wir die erreichte Qualität sichern können“, sagt Epper. Eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung, die Vorgaben für Bauten und Veränderungen an ihnen gibt, soll die Lösung sein. Grundlage dafür ist die Ortsbildanalyse.

Der Plan, Gestaltungsregularien zu schaffen, hat aber nicht nur Anhänger. „Eine Satzung, so meine Erfahrung, ist keine gute Idee“, sagt der Rostocker Architekt Michael Bräuer. Der 71-Jährige ist auch Vorsitzender der Expertengruppe des Bundesbauministeriums zum städtebaulichen Denkmalschutz. Satzungen seien schon in den 90ern groß debattiert worden. In der Lutherstadt Wittenberg wurde zum Beispiel eine Gestaltungssatzung erst eingeführt und dann wieder abgeschafft. „Es stellte sich raus, dass das keine Kreativität ermöglicht“, sagt Bräuer. Für Rostock hat er ähnliche Befürchtungen. Und findet, dass rechtzeitige Diskussionen über die Gestaltung wertvoller seien als Rechtsstandpunkte gegeneinander abzuwiegen. „Kleine Stilbrüche in der Altstadt machen auch den Charme aus“, sagt Anja Munser. Sie vertritt die Grünen im Ortsbeirat Stadtmitte. Eine Satzung für die Gestaltung sieht auch sie kritisch. „Zu viele Regeln könnten auch etwas kaputt machen“, sagt sie.

Anja Epper versichert: „Die Satzung wird nicht sagen, ,bauen Sie historisiert’, sondern für bestimmte Bereiche Grundkriterien festlegen.“ Für die Verwaltung hat das den Vorteil, dass eine neue rechtliche Grundlage geschaffen wird. „Das erleichtert unsere Entscheidungen“, sagt Epper. Und Bauherren wüssten dann auch, was sie überhaupt beantragen können.

Parallel wird in der Stadt eine neue Denkmalbereichsverordnung erstellt. „Wir haben eine Reihe von Denkmalbereichen wie die Kröpeliner Straße oder Große Wasserstraße. Dazwischen gibt es aber Lücken“, sagt Denkmalpfleger Peter Writschan. Auch hier begründet sich der Handlungsbedarf aus dem schwindenden Sanierungsgebiet Altstadt. „Wir arbeiten auch eng mit den Stadtplanern zusammen“, sagt Writschan. Beide müssten zusammen funktionieren. Die rechtliche Grundlage ist anders – die Satzung ist bindend, die Verordnung Grundlage für Genehmigungen des Amts. Im Mai geht die Verordnung in den Ortsbeirat. Ortsbildanalyse und die Idee der Satzung folgen im Sommer und gehen dann in die Bürgerschaft. „Die muss entscheiden, ob wir eine Satzung wollen“, sagt Epper.