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Rostocker bei Ruder-WM knapp geschlagen Brisanz auf der Ziellinie: Krüger Vize-Weltmeister

Von Detlef Nuelken | 02.09.2011, 08:14 Uhr

Silber durch den Männer-Doppelzweier, Finaleinzug für Marcel Hacker und schon sieben Olympia-Tickets in der Tasche: Die deutsche Ruder-Flotte steuert bei der WM im slowenischen Bled weiter auf Erfolgskurs.

Spannender kann ein Kampf um die WM-Medaillen nicht ablaufen. Makellos qualifizierten sich der deutsche Doppelzweier mit Stephan Krüger vom Olympischen Ruder-Club Rostock und dem Potsdamer Hans Gruhne über Vorlauf und Halbfinale für das Finale der besten sechs Boote. Mit der gleichen Bilanz kämpfte sich der Weltmeister von 2010 Neuseeland in das Medaillenrennen. "Dass es verdammt eng werden würde, haben wir erwartet, aber nicht diese Brisanz auf der Ziellinie", zeigte sich der völlig ausgepumpte 22-Jährige aus Rostock von dem Duell beeindruckt. Nach dem Zieldurchlauf leuchtet auf der Anzeigetafel "Fotofinish" auf. Die Momente bis zur Bekanntgabe des Resultats "dauerten eine Ewigkeit", so Stephan.

In einem Fluchtrennen hatten die Deutschen die Attacken der "Kiwis" immer wieder erfolgreich gekontert. 500 Meter vor dem Ziel eröffneten die Schützlinge von Dieter Öhm, dem erfahrenen Trainer-Fuchs aus Berlin, den Endspurt. "Da lagen wir noch gleichauf", registrierte Krüger die Rennsituation. Dann drehte der deutsche Doppelzweier auf und baute seine Führung auf eine Dreiviertel-Bootslänge - gut zehn Meter - aus. Doch die Neuseeländer kamen noch angeflogen und hatten denkbar knapp das bessere Ende für sich.

"Am Ende waren sie gefühlte 1998 der 2000 Rennmeter Weltmeister, und auf den letzten zweien verloren sie die entscheidenden zehn Zentimeter zum Titel", beschreibt Stephans Heimcoach Meinhard Rahn die 6:10,82 Minuten.

Dennoch waren alle hochzufrieden. Vor knapp zehn Monaten waren Stephan Krüger und Eric Knittel (Berlin) mit Rang sechs von der WM abgereist. 2009 waren beide in Poznan Weltmeister geworden, aber 2011, kurz vor dem Weltcup in Luzern, fiel Knittel verletzungsbedingt aus, und Hans Gruhne wurde aus der Ersatzposition ins Boot beordert. "Wir haben alles, aber auch wirklich alles versucht, das Beste gegeben und sind hundertprozentig zufrieden", freute sich der Potsdamer.

Schon kurz vorher hatte sich Meinhard Rahn freuen können. In Bled verantwortlich für den Zweier Felix Drahotta und Max Munski, schaffte das "Trio" den Sprung in das WM-Finale. "Wir haben es gehofft und gewünscht, vorher in Rostock, Dortmund und Ratzeburg hart dafür trainiert und Rückschläge durch Infekte weggesteckt. Jetzt haben wir für den Deutschen Ruderverband das Olympia-Ticket gesichert und können im A-Finale unbeschwert los-

legen", war Felix stolz über das Traumresultat. Hinter den Briten und Kanadiern, aber weit vor den Mitkonkurrenten Ungarn, USA u. a. überquerte die beiden Norddeutschen das Ziel.

Drahotta steht heute im Finale. Das will seine Vereinskollegin Marie-Louise Dräger ebenfalls erreichen. Sie muss mit Anja Noske aus Saarbrücken im Doppelzweier der leichten Frauen im Halbfinale unter die besten Sechs rudern. "Doch da ist eine deutliche Steigerung notwendig, wenn es klappen soll", gibt sich die Doppel-Weltmeisterin 2010 zurückhaltend realistisch. "Offensiv beginnen und nicht aufgeben - dann wird Marie am Sonntag im A-Finale im Titelrennen dabei sein", ist Vize-Weltmeister Stephan Krüger zuversichtlich.

Die Duisburgerin Lena Müller holte sich gestern im nichtolympischen Einer hinter Brasilien und Österreich überraschend WM-Bronze.