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Rostock Bürger investieren in Solarstrom

Von Torben Hinz | 05.02.2010, 06:36 Uhr

In Rostock soll bis Ende Juni die erste Bürgersolaranlage mit knapp 30 Megawatt Leistung stehen.

Dieses ehrgeizige Ziel hat sich eine im Januar gebildete Einwohnerinitiative gesetzt. Es gab bereits erste Verhandlungen mit der Wohnen in Rostock GmbH (Wiro), die der Initiative gleich fünf Flachdächer als Standort zur Auswahl angeboten hat., darunter auch das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen.

Festgelegt haben sich die Mitglieder allerdings noch nicht. "Wir kommen wegen des Schnees momentan nicht aufs Dach", sagt Dr. Adelheid Priebe, Expertin auf diesem Gebiet und Mitglied des Arbeitskreises Energiewende des Agenda 21-Rats. Sobald das möglich sei, gehe alles sehr schnell. "Im Prinzip steht das Konzept. Die Anpassung an das richtige Dach dauert nur ein bis zwei Tage", sagt Priebe. Bis Ende Februar möchte sie den Nutzungsvertrag unterzeichnet und eine Trägergesellschaft gegründet haben.

Deren Mitglieder sollen die benötigten 100 000 Euro aufbringen. Da allerdings liegt das Hauptproblem: Es fehlen die Interessenten. "Neue Mitglieder zu werben, kann man gar nicht genug betonen", sagt Priebe. Zumal sich die Investition auch wirtschaftlich lohnen soll. Priebes Berechnungen zufolge wird die Anlage nach etwa zehneinhalb Jahren Gewinn abwerfen. "Wir haben mit prognostizierten neun Prozent eine ganz gute Rendite", sagt sie.

Bei einer Einlage von 1000 Euro bekäme jedes Mitglied pro Jahr 90 Euro Gewinn ausgeschüttet. Das Problem: Die Zahlen beruhen auf den aktuellen Preisen. "Momentan ist sehr, sehr viel Bewegung im Markt", so Priebe. Und aus Berlin kommen Signale, die Förderung für Solarstrom zu senken, vielleicht sogar schon zum April. Bis dahin aber schafft die Bürgersolarinitiative den Anschluss ans Stromnetz nicht. Schon der Start im Juni sei sehr ehrgeizig.

Unterstützung kommt von der Stadt. "Von bundespolitischen Entwicklungen sollten wir uns nicht irre machen lassen", sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Er sichert beispielsweise Hilfe des Bauamts bei der Eignungsprüfung der Dächer zu. "Ich hoffe, dass das Projekt eine Initialzündung wird", sagt er. Der Anteil regenerativer Energien in der Hansestadt sei noch sehr ausbaufähig.

So decke der Solarstrom mit vier Gigawattstunden bisher nicht einmal ein Prozent des Rostocker Gesamtverbrauchs von 680 Gigawattstunden im Jahr ab. Zusammen mit der Windkraft liege die Erzeugung bei 18 Gigawattstunden - ein verschwindend geringer Wert. Größter Solarenergie-Erzeuger der Hansestadt ist momentan die Wiro, auf deren Dächern ein Fünftel des sauberen Stroms erzeugt wird. "Auf den kommunalen Gebäuden sind bisher keine Photovoltaik-Anlagen installiert", sagt Matthäus. Das könnte sich aber noch in diesem Jahr ändern. Die Verhandlungen darüber liefen bereits.