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Rostock Bunkerkosten werden weiter steigen

Von Reiner Frank | 30.05.2013, 11:24 Uhr

Der Fährverkehr in der Ostsee steht vor großen Herausforderungen.

Für die neuen drastischen Umweltauflagen, insbesondere zur Reduzierung von Schwefelemissionen, rechnen Reeder mit Mehrkosten von 30 bis 40 Prozent. Die könne man nicht einfach an die Kunden weitergeben, erklärt Staffan Herlin, Head of Group Marketing, Sales and Customer Service bei Finnlines. Zu den Antworten von Finnlines gehören vernetzte Fahrpläne, treibstoffsparendes Fahren und effektive Schiffe. Die Bunkerkosten machen schon jetzt 35 Prozent der Gesamtausgaben aus und werden weiter steigen, so Herlin. Für die Installation so genannter Scrubber für die Abgasreinigung der Flotte seien die Entwicklungen noch nicht ausgereift und es gebe dafür auch keine ausreichenden Werftkapazitäten.

Bei der Stena-Line, so Frachtmanager Christof Weichbrodt, wird daneben der Einsatz von Flüssiggas (LNG) vorbereitet, sollen spezielle Schiffsbodenanstriche zu Einsparungen führen, wird mit der Universität Göteborg auch die Methanol-Alternative erforscht. Stena steuert zudem europaweit den Personalabbau von etwa 400 Stellen in Häfen und Verwaltung an. Der Standort Rostock scheint aber nicht betroffen.

Reederei holt Angebote für Doppelendfähren ein

Neben dem Kampf für eine Übergangslösung bei den Umweltauflagen arbeitet die TT-Line an einem Pilotprojekt für die Installation einer Anlage zur Abgasreinigung. Mit Förderhilfe aus Brüssel werden sechs Millionen Euro für die Investition eines Scrubbers aufgewendet, so TT-Geschäftsführer Hanns H. Conzen. Neue umweltfreundliche Schiffe plant auch Scandlines. Nachdem die Neubauten aus Stralsund wegen Übergewicht nicht abgenommen wurden, sind die überarbeiteten Spezifikationen für die Technik und das Design neuer Doppelendfähren inzwischen abgeschlossen und wurden ausgewählte Werften mit der Bitte um ein Angebot kontaktiert, berichtet Scandlines-Chef Sören Poulsgard Jensen. Die neuen Doppelendfähren werden ein ähnliches Profil haben wie die auf der Vogelfluglinie. So steuere Scandlines künftig volle Flexibilität zwischen den vier Ostseehäfen an. Jensen: "Wir hoffen, den Vertrag für die Neubauten im Sommer unterschreiben zu können und rechnen dann mit einer Auslieferung zur Hochsaison 2015."

Bei den Oldtimern "Kronprins Frederik" und "Prins Joachim" wurden Anfang des Jahres umfassende Wartungs- und Reparaturarbeiten vorgenommen, so insbesondere an den Trimmtanks, Rudern, Schrauben, Propellerflügeln und Bugstrahlrudern. In Gedser wurde der neue Anleger angepasst und ist heute auch von den alten Fähren zu nutzen. Beim neuen Anleger in Rostock bleibt zunächst abzuwarten, welche Anforderungen die für 2015 geplanten Doppel endfähren stellen werden. Als Saisonverstärkung kommt auch wieder eine dritte Fähre zum Einsatz. Verschiedene Möglichkeiten werden sondiert.

Am Liegeplatz 65 steuert die TT-Line gemeinsam mit der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero) die Einrichtung eines multifunktionalen Anlegers an. "Das würde uns eine höhere Flexibilität und das Anlegen verschiedener Schiffe der Flotte ermöglichen", erklärt Conzen. Die Investition liege aber, wie auch andere wichtige Infrastruktur-Vorhaben im Hafen, auf Eis. Das Land bewillige die Fördermittel nicht, wenn die Stadtverwaltung Geld aus dem Unternehme ziehe, so Hero-Sprecher Christian Hardt.

TT-Line startet im Sommer auch von Swinemünde

Mit einer Fähre will die TT-Line im Sommer auch auf der Relation zwischen Swinemünde und Trelleborg starten. Bei den Vorbereitungen befinde man sich in den letzten Zügen, so Conzen. Als Hintergrund macht er deutlich, dass das Unternehmen somit auf drei Korridoren präsent sei - dem westlichen von Travemünde, dem mittleren von Rostock und dem östlichen von Polen aus gen Trelleborg. Der Standort Rostock sei also davon unberührt. Welches Schiff zum Einsatz kommt, mochte er noch nicht sagen. Finnlines bietet neben Direktverbindungen wie von Rostock nach Helsinki auch Kurzreisen mit dem bereits seit 1997 verkehrenden Transrussian-Express Lübeck-Sassnitz-St. Petersburg an. Dabei dient das Schiff an der Newa praktisch als Hotel. Visafragen erschweren allerdings die Ausprägung Russlands als Tourismusziel, merkt Herlin an.

Während der TT-Geschäftsführer nach zwei nicht so guten Sommern mit seinen Erwartungen für die bevorstehende Urlaubssaison nur verhaltenen Optimismus ausstrahlt, sieht man bei Scandlines der Hochsaison zuversichtlich entgegen. "Momentan setzen wir alles daran, unser Cateringkonzept an Bord weiter zu verbessern", betont der Scandlines-Chef. Für Frachtkunden gebe es seit Anfang Mai zwischen Rostock und Gedser aufgrund der größeren Nachfrage zusätzliche Nachtabfahrten für eine noch flexiblere Transportplanung. Hanns H. Conzen macht wiederum deutlich, dass das gegenwärtige Frachtaufkommen noch 15 bis 20 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2007 liege. Der 2009 begonnene Kapazitätsaustausch einiger schwach ausgelasteter Abfahrten bleibe so auch mit Stena noch weiter aktuell.