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Blindenprojekt in Rostock Chris erfüllt sich Tennistraum

Von CLLA | 22.09.2016, 12:00 Uhr

In Rostock können Blinde und Sehbehinderte jetzt den Schläger schwingen. Fernziel sind die Paralympics.

Während des Studiums der Außenwirtschaft in Reutlingen hätte sie sogar versucht, mit ihrer Mitbewohnerin einen speziellen Ball zu bauen, der Blinden das Tennisspielen ermöglicht. Doch der entsprach nicht den Vorstellungen der Rostockerin, die daraufhin mit einem normalen Schläger und Bällen gegen die Wand ihres Zimmers spielte.

Chris Kaplan war Feuer und Flamme für die Idee, begeisterte dafür auch ihren Ehemann Pavel, ihren Kollegen Robert, mit dem sie zusammen beim Callcenter von Ikea arbeitet, und Freundin Simone. Über das HCC nehmen sie Kontakt mit dem Rostocker Tennislehrer Sven Timmermann auf, der sich bereit erklärt, das Quartett zu unterrichten. Als Unterstützung holt er seine Kinder Linn und Rick mit ins Boot, die ebenfalls Tennis spielen und trainieren. „Mein Vater kannte Blindentennis vorher auch nicht, hat das aber als Herausforderung gesehen und angenommen“, erinnert sich Rick.

Auch wenn Blindentennis in Rostock noch in den Kinderschuhen steckt, hat Chris Kaplan große Pläne. Nächster Schritt sei die Gründung eines Vereins, für den ein Kassenwart gesucht wird. Für 2017 plant sie, mit Trainingspartner Robert nach England zu fahren und an einem Blindentennis-Turnier teilzunehmen. Fernziel sei, dass der Sport paralympisch wird – egal, ob sie dann live oder vor dem Fernseher dabei wäre. Um für ihren Sport zu werben, würde die Rostockerin am liebsten „auf Profiturnieren Demos spielen“, um noch mehr Blinde und Sehbehinderte für Tennis zu begeistern. Für Chris Kaplan ist der Sport aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. „Das ist mein Traum, ich wollte das schon immer und es gibt nichts, was ich mir so lange gewünscht habe“, sagt sie und freut sich, als der rasselnde Ball auf ihren Schläger trifft und sie ihn per Rückhand übers Netz bekommt.