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gesund in rostock Dank Mammografie wird der Krebs früher entdeckt

Von JORO | 11.06.2015, 15:00 Uhr

Am Universitäts-Brustzentrum des Klinikums Südstadt werden onkologische Patientinnen behandelt und kosmetische Operationen durchgeführt

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Deutschlandweit gibt es jährlich rund 74  000 Neuerkrankungen. Rechtzeitig erkannt und behandelt, ist Brustkrebs heilbar. Professor Toralf Reimer, leitender Oberarzt am Universitäts-Brustzentrum am Klinikum Südstadt, steht täglich mit Patientinnen in Kontakt, die mit der Diagnose Mammakarzinom konfrontiert worden sind. „Die Rate der Diagnosen steigt an“, sagt der Mediziner. Nicht nur, weil die Patientinnen immer älter würden, sondern auch, weil die Methoden der Früherkennung besser geworden seien. Jüngere Frauen sind eher selten von Brustkrebs betroffen, jede zehnte betroffene Frau ist unter 45 Jahre alt. Besonders ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko, um ab dem 70. Lebensjahr wieder geringfügig abzusinken. Deshalb werden Frauen der gefährdeten Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahre alle zwei Jahre via Brief zum Mammografie-Screening eingeladen. Die Briefe werden von der Meldebehörde verschickt, die Teilnahme ist allerdings freiwillig. „Unser Ziel ist, dass mehr als 80 Prozent der Frauen zum Screening kommen. So weit sind wir noch nicht, mit 64 Prozent liegen wir aber über dem Bundesdurchschnitt von 56 Prozent“, sagt Reimer. Die Kosten für das gesetzliche Früherkennungsprogramm werden von den Krankenkassen übernommen. Bei dem Mammografie-Screening wird die Brust geröntgt, um Auffälligkeiten festzustellen. „Wir erkennen Tumore zunehmend im kleineren Stadium. Auch die Lymphknoten in der Achselhöhle sind dann seltener befallen. Dadurch ist die Prognose allgemein besser“, erklärt Reimer. Durch das Screening könne die Zahl der Frauen, die an Brustkrebs sterben, langfristig eventuell reduziert werden. Dieser Beweis steht für Deutschland jedoch noch aus.

Doch nicht nur Frauen sind von Brustkrebs betroffen, auch Männer können erkranken. „Auf 100 Frauen kommt ein Mann“, sagt Reimer. Weil Männer aber seltener zur Früherkennung gehen würden, sei die Erkrankung häufig in einem fortgeschritteneren Stadium.

Brustkrebs sei laut Reimer ein Problem wohlhabender Nationen. Alkohol, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsarmut seien alles Risiken, die die Erkrankung befördern. „Das Hauptrisiko bleibt aber das Alter“, betont Reimer und ergänzt: „Auch die Genetik spielt in fünf bis zehn Prozent der Erkrankungen eine Rolle – so wie im Fall der Familie von US-Schauspielerin Angelina Jolie.“ Diese machte im Jahr 2013 auf sich aufmerksam, weil sie sich vorsorglich für eine Brustamputation entschieden hat.

„Seit Angelina Jolie ihre Entscheidung bekannt gegeben hat, sind die Nachfragen gestiegen. Mehr Frauen wollen wissen, ob bei ihnen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht“, so Reimer. Wenn in einer Familie mehrere Frauen an Brust- und/oder Eierstockkrebs erkrankt sind, schauen die Ärzte genauer hin. Mit einem Gentest nach vorheriger Beratung über die Konsequenzen kann dann festgestellt werden, ob eine Patientin eine mutierte Form des BRCA1- oder BRCA2-Gens besitzt. Beide Mutationen gelten als Auslöser für Krebs.

Wenn ein bösartiger Tumor diagnostiziert wird, werden am Universitäts-Brustzentrum im Experten-Kollektiv alle Behandlungsmöglichkeiten besprochen. „Fast alle Neudiagnosen werden operiert. Zusammen mit den Rezidiven, also den Rückfällen, haben wir etwa 500 Tumor-OPs im Jahr. Die meisten sind brusterhaltend“, erläutert Reimer.

Neben dem onkologischen Schwerpunkt werden an der Univeritätsfrauenklinik auch gutartige Fälle wie beispielsweise medizinisch notwendige Brustverkleinerungen oder Brustfehlbildungen behandelt. „Mittlerweile führen wir solche Operationen auch bei sehr jungen Frauen durch. Die Brustentwicklung ist mit der Volljährigkeit abgeschlossen. Früher haben wir noch die Schwangerschaften abgewartet, aber die Kinder werden immer später geboren und die psychische Belastung für die Patientinnen ist zu groß. Sie gehen nicht zum Strand oder in die Sauna, weil sie sich schämen“, sagt Reimer.

Medizinische notwendige Operationen werden von den Kassen übernommen, rein kosmetische Operationen wie eine Brustvergrößerung hingegen nicht. „Das müssen die Frauen selber zahlen. Dabei sollten sie sich auch bewusst sein, dass eine Operation immer ein Risiko birgt. Auch an den Kosten möglicher Nachfolgeoperationen werden die Patientinnen beteiligt“, erklärt Reimer. Bei Brustvergrößerungen würden Silikonprothesen verwendet. „Vor einigen Jahren mussten die Implantate noch alle zehn Jahre ausgetauscht werden. Das ist heute nicht mehr so. Prothesendefekte treten bei seriösen Herstellern nur noch selten auf, Kapselfibrosen sind mit einer Rate um fünf Prozent etwas häufiger“, erläutert der Gynäkologe. Etwa 100 Brustverkleinerungen und Korrekturen von Fehlbildungen sowie 50 Brustvergrößerungen werden durchschnittlich pro Jahr an der Universitätsfrauenklinik durchgeführt.