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Tierschutz Demonstranten hoffen auf Umdenken

Von Redaktion svz.de | 15.06.2015, 12:00 Uhr

Gegen eine geplante Hähnchenmastanlage setzen sich die Fienstorfer und Unterstützer aus den umliegenden Gemeinden ein

„Sich wehren, lohnt sich“ – nach diesem Motto haben die Einwohner von Fienstorf am Sonnabend eine weitere Demonstration gegen die geplante Hähnchenmastanlage von Bauer Jan-Hinrich Kühl gestartet. Geplant ist hier eine Anlage, mit der jährlich 1,4 Millionen Masthähnchen aufgezogen werden sollen. Inzwischen sind auch Bürger der angrenzenden Ortschaften und der Stadt Rostock beunruhigt. „Das hier geht uns alle an, denn durch die Nitrat-Überschüsse aus der Massentierhaltungsanlage ist das Grundwasser im Wassereinzugsgebiet und somit das Trinkwasser der gesamten Region gefährdet“, befürchtet Susanne Schumacher aus Gehlsdorf. Außerdem beziehen viele Rostocker ihre Lebensmittel vom Land und die anderen Gemeinden sowie die Bürger der Hansestadt sollten Solidarität zeigen, sagt sie.

Des Weiteren ist die Antibiotika resistente Keimbelastung ein Faktor, den die Demonstranten aus gesundheitlichen Gründen als persönliche Bedrohung empfinden. „Für die 444 000 Euro Subventionen kann Herr Kühl auch vernünftige Landwirtschaft betreiben, die der Umwelt und den hier lebenden Menschen gerecht wird“, sagt Michael Eckert. Der 50-Jährige aus Steinfeld hofft darauf, dass die Politik endlich aufwacht, denn inzwischen ist diese Form der Landwirtschaft in einigen EU-Ländern bereits verboten.

Die Anwohner der Alten Dorfstraße in Neu Broderstorf fühlen sich ebenfalls massiv hintergangen. Der Grund: Der Ausbau der Zufahrtsstraße zur Anlage wurde finanziell auf die Gemeinde sowie auf die einzelnen Grundstückseigentümer umgelegt. Nach der bereits erfolgten Umbaumaßnahme der Straße und der Gehwege sind diese allerdings für die gewerbliche Nutzung durch den zu erwartenden Lkw-Betrieb für An- und Abfahrten völlig ungeeignet. ,,Ich sehe hier eine Gefährdung unserer Familien, denn sollten sich zwei Lkw gleichzeitig begegnen, dann müsste ein Fahrzeug auf den Gehweg ausweichen“, sagt Anwohner Pedro Poeggel.

Seit zwei Jahren kämpfen die Einwohner gegen die zu erwartende Lärm- und Umweltbelastung sowie Tierquälerei und konnten das Bauvorhaben bisher verzögern. „Das Umweltbundesamt hat bereits mit alarmierender Deutlichkeit in einem 40-seitigen Bericht begründet, dass die Bedenken gegen die Tierfabriken durchaus berechtigt sind“, sagt die Vorsitzende der Bürgerinitiative Pro Vita, Eva Maria Leonhardt. Demnach sollen Agrarumweltprobleme ohne Zweifel mit der räumlich konzentrierten Intensivhaltung in Großbetrieben verbunden sein.

Bis zum Sommer soll voraussichtlich eine Entscheidung der Behörden fallen. Nach Akteneinsicht durch die Bürgerinitiative gibt es eine Machbarkeitsstudie für doppelt so viele Hähnchen im Vergleich zu der jetzt schon geplanten Anlage. Dann wäre ein weiterer Ausbau in der Zukunft nicht auszuschließen und hätte fatale Auswirkungen, so Leonhardt.