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Rostock Dicke Luft Am Strande

Von Torben Hinz | 20.09.2011, 07:18 Uhr

Problemzone L 22: Weil der Luftgüte-Messcontainer Am Strande regelmäßig überschrittene Grenzwerte für Schadstoffe meldet, droht der Hansestadt ein Millionen-Bußgeld von der Europäischen Union.

Um die Strafzahlung zum Jahresende doch noch abzuwenden, sucht das Umweltamt momentan nach Lösungen. Profitieren könnte davon der Warnowtunnel als mögliche Entlastungsstrecke. Allerdings schrecken derzeit 3,20 Euro Maut pro Durchfahrt viele Autofahrer ab.

"Wenn die Stadt oder das Land die Maut übernehmen würde, würde keiner unserer Gesellschafter dazu nein sagen", sagt Matthias Hermann, Geschäftsführer der Warnowquerung GmbH. So könnten viele Autofahrer für den Tunnel gewonnen werden. Für das laufende Jahr verzeichnet Hermann im Schnitt 11 500 Durchfahrten am Tag. Zwar sind die Zahlen in den vergangenen Jahren gestiegen, bleiben aber immer noch weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Bei der Ausschreibung des Tunnels waren 44 000 Durchfahrten veranschlagt worden.

Für Hermann steht fest: "Wenn die Stadt ihre Ziele erreichen will, muss sie was machen." Demnach sei es folgerichtig, den bereits bestehenden Luftreinhalteplan und das Emissionsgutachten fortzuführen. An ihn als Geschäftsführer sei aber noch niemand mit konkreten Vorschlägen herangetreten - weder Stadt noch Land haben für die Tunnellösung Geld übrig.

Fest steht bislang nur: Rostock muss handeln. Nach Angaben des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) lag der Wert für Stickstoffdioxid Am Strande im Jahresmittel 2010 bei 44 Mikrogramm pro Kubikmeter. Erlaubt sind lediglich 40. In den Jahren 2009 und 2008 waren es im Mittel sogar 53 Mikrogramm pro Kubikmeter. LUNG-Experte Dr. Thomas Draheim führt die leicht gesunkenen Werte aber vor allem auf die Baustelle an der Vorpommernbrücke zurück. Sobald das Bauwerk saniert ist, könnte das alte Niveau schnell wieder erreicht sein.

Daran könnten auch die bereits ergriffenen Maßnahmen wie auf 50 Kilometer in der Stunde gedrosseltes Tempo oder grüne Welle wenig ändern. Deshalb arbeiten Umwelt- und Tiefbauamt momentan zusätzlich an einem neuen Verkehrsmanagement. Das soll Autofahrer frühzeitig vor Stau warnen, den Verkehr zumindest zum Teil auf andere Strecken verlagern und so die L 22 entlasten. Aktuell sind rund 45 000 Autos täglich Am Strande unterwegs.

Damit Rostock von der EU wenigstens einen Aufschub erhält, muss die Stadt bis Jahresende nachweisen, dass sie an dem Problem arbeitet, sagt Draheim. Das neue Verkehrsmanagement könnte dafür schon genügen. Dann würde die Strafzahlung bis 2015 ausgesetzt. Präzedenzfälle für das Nichteinhalten der Vorgaben aus Brüssel gäbe es bislang nicht. Deshalb stehe auch das mögliche Strafmaß noch nicht fest, mit dem die Hansestadt zu rechnen hätte.