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Reutershagen Die besondere Geschichte...

Von Heide Niemann-Rabe | 15.08.2018, 05:00 Uhr

Das Freizeitzentrum (RFZ) sucht Erinnerungs-Schnappschüsse.

Viele mögen es bereits gehört haben: Das Rostocker Freizeitzentrum in der Kuphalstraße existierte am 1. Juni ein viertel Jahrhundert und wird heute um 14 Uhr seinen vierten Informationstag für Senioren und ihre Angehörigen eröffnen. „Älter werden in Reutershagen“ heißt das Motto und eine Reihe von Aktionsständen, unterhaltsamen Überraschungen und leckeren selbst gebackenen Kuchen im Café KU77 warten auf die Gäste. Welche Erinnerungen haben Sie an Reutershagen und die 25 Jahre im Gebäude des heutigen RFZ? Sind Sie dort einmal zur Schule oder später ins Pionierhaus gegangen oder haben Sie als Pädagoge dort gewirkt? Wie war früher das Leben in Reutershagen? Die Organisatoren würden sich sehr über Schnappschüsse von Ihnen freuen – Fotos oder kleine Geschichten.

Auch für Nicht-Reuterhäger interessant

Auch für Nicht-Reutershäger mag es interessant sein: 1922 wurde erstmals im Rostocker Adressbuch der Name Reutershagen erwähnt. Im Liningweg und am Druwappelplatz erwarben Kleinsiedler erste Grundstücke, auf die sie Häuschen mit Stallungen setzten, Kleinvieh hielten sowie Obst- und Gemüse anbauten. Ab 1934 entstand dann im heutigen Alt-Reutershagen eine Wohnsiedlung von Ein- und Zweifamilienhäusern mit Gärten vor allem für die Arbeiter der Heinkel-Flugzeugwerke. Die oft skurrilen Reuter-Figuren wurden für die Straßennamen genommen und sind noch heute beliebte Zungenbrecher.

Ab 1937 kam das Komponistenviertel hinzu. Familien aus allen Teilen des Deutschen Reiches strömten nach Rostock, um im Flugzeug-, Flugplatz-, Schiffs- und Wohnungsbau Arbeit aufzunehmen. So entstanden die Volkswohnungen, Zwei- bis Dreigeschosser für vier bis sechs Familien, meist rote Klinkerbauten, zirka 50 Quadratmeter große Wohnungen mit Ofenheizung, Duschbad und Warmwasserboiler. Ab 1970 wurden die Dachgeschosse ausgebaut, Garagen und kleine Geschäfte für Waren des täglichen Bedarfs, Schulen und Gaststätten kamen hinzu.

Parallel, etwa ab 1938, wurde Reutershagen I errichtet. Dazu gehörten zum Beispiel das Ostmärkische/Wiener Viertel, die Finn-Häuser, Wohnblöcke in der Ulrich-von-Hutten-Straße, Großbauten im Friedensviertel und das Gewerbegebiet in der Goerdelerstraße folgten später. Die Bauweise ist charakteristisch für die jeweilige Gegend und die Entstehungszeit, ebenso die Straßenbezeichnungen: Klinkerbauten, Häuser aus finnischem Holz und in traditioneller Bauweise errichtete so genannte Stalin-Bauten. Dazu österreichische Städtenamen und Namen kommunistischer Widerstandskämpfer, die meist ab 1990 durch die von bürgerlichen Widerstandskämpfern ausgetauscht wurden.

Ab 1958 entstand Reutershagen II – erstmals in Rostock in industrieller Bauweise. Der Wohnungsnotstand war damals enorm groß. Deshalb mussten möglichst viele Wohnungen preisgünstig in kurzer Zeit errichtet werden. Optimaler Grundriss, ohne Balkone – aber mit Fernwärme beheizte Wohnungen. Geschäfte, Restaurants wurden zentral stationiert, dazu Grünflächen, Spielplätze, Garagenkomplexe. 9772 Wohnungen wurden für rund 25 000 Bewohner gebaut. Die Modernisierungen und Komplettsanierungen folgten ab 1990.