Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Die "Büchner" bleibt auf dem Meer

Von Torben Hinz/Christine Weber | 31.05.2013, 10:12 Uhr

Es ist der wohl endgültige Tiefpunkt in der Geschichte der „Georg Büchner“: Am Donnerstagabend ist das Rostocker Denkmal vor der polnischen Küste gesunken.

Bis kurz vor dem Untergang war die „Büchner“ am Haken des Schleppers „Ajaks“, der sie zur Verschrottung nach Klaipeda bringen sollte. „Zu den genauen Umständen des Untergangs haben wir noch keine Informationen“, so ein Sprecher der polnischen Seenotleitstelle. Dort sei gegen 20 Uhr lediglich der Funkspruch der Schlepperbesatzung eingegangen, dass der direkte Kontakt zur „Büchner“ nicht mehr vorhanden und das Schiff nördlich von Danzig gesunken sei. „Die zuständige Behörde klärt jetzt die genaue Position und Situation“, so der Sprecher. Menschen seien keine zu Schaden gekommen.Schlepper fährt Zick-Zack

Derweil kursieren wilde Gerüchte um die Hintergründe des Untergangs. Liebhaber der „Büchner“ vermuten einen möglichen Versicherungsbetrug. Denn gegen 18 Uhr drehte der Schlepper plötzlich von der vorgesehenen Route ab, fuhr dann im Zick-Zack zurück. Gegen 19.45 Uhr – also noch vor dem Funkspruch an die Seenotleitstelle – setzte er schließlich mit zehn Knoten neuen Kurs auf seinen Heimathafen Danzig. Ob er die „Büchner“ zu diesem Zeitpunkt noch im Schlepptau hatte, ist nicht bekannt. Bis zu dem Vorfall war der Verband mit deutlich geringerem Tempo unterwegs. Möglicherweise hat auch das für den anfälligen Schleppverband relativ schwierige Wetter zu den Manövern beigetragen. Zum Unglückszeitpunkt herrschte Windstärke 4 – wegen nur einer Windstärke mehr hatte das Auslaufen aus dem Rostocker Hafen noch verschoben werden müssen.


„Als ich vom Untergang erfuhr, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Das Drumherum gibt mir zu denken – ich habe ein großes Interesse daran, zu erfahren, was da wirklich passiert ist“, sagt Schlepperkapitän Siegfried Kempe, der am Dienstag als letzter deutscher Seemann vor der Küste von Warnemünde von Bord der „Büchner“ ging. Er ist sich sicher, dass zu diesem Zeitpunkt noch alles in Ordnung war. Diese Einschätzung teilt er mit Rostocks Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Er kann sich den Untergang nicht erklären: „Als das Schiff ausgelaufen ist, war es sicher.“ Andernfalls hätte es auch die zweieinhalb Tage dauernde Reise bis zum Unglücksort nicht überstehen können, so der Hafenkapitän. Alle Vorschriften und Auflagen seien abgearbeitet worden. Die Spezialisten der Baltic Taucher hätten die Außenhaut untersucht und die Schotten abgedichtet. „Wir haben unseren Auftrag ausgeführt“, sagt deren Geschäftsführer Eyk-Uwe Pap. „Auch tiefgangsmäßig war alles okay“, so Ruhnke. Er warnt gleichzeitig aber auch vor Verschwörungstheorien: „Wir haben nur Bescheid bekommen, dass die ,Büchner’ untergegangen ist, alles Weitere sind Spekulationen.“ Ja, das Schiff sei versichert gewesen, aber das sei „jeder Schleppverband auf der Welt“. Nun müsse die Kommission für Meeresunfälle die Untergangsursache klären. In einem ersten Schritt hat sie bereits aus der Luft und zu Wasser nach möglichen Treibstoff-Verschmutzungen suchen lassen. Funde gab es keine. Außerdem könnte wichtig sein, mit wie viel Ballast die „Büchner“ geschleppt wurde. Er ist entscheidend für die Reise-Stabilität.


Auf den ehemaligen Rostocker Betreiberverein kann der Untergang nach Angaben von dessen Insolvenzverwalter Tobias Schulze nicht zurückfallen. „Das Schiff ist ab Kaikante Rostock verkauft, die Verantwortung liegt beim neuen Besitzer.“ Bei ihm soll es sich um die Argent Ventures Limited, eine Gesellschaft von den Seychellen handeln. Sie soll einen sechsstelligen Betrag für das ehemalige Hotelschiff gezahlt haben, nachdem Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) die Verholung erlaubt hatte und ein Verkauf an belgische Interessenten gescheitert war. „Wenigstens ist der ,Büchner’ die Verschrottung erspart geblieben und sie hat ihre letzte Ruhestätte. Jetzt kann sich keiner mehr an ihr vergreifen“, sagt Schlepperkapitän Kempe.