Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Krankenhausserie Die Krankheit hat keinen Platz mehr in seinem Leben

Von JORO | 18.06.2015, 08:00 Uhr

Sören Albrecht bekam mit 32 Jahren Darmkrebs, nun gilt er als geheilt

Sören Albrecht zwingt nichts besonders schnell in die Knie. Er nimmt das Leben wie es kommt, stellt sich jeder Herausforderung. Lediglich vor sieben Jahren gab es einen Moment, der dem heute 39-Jährigen im Gedächtnis geblieben ist. Vor sieben Jahren erhielt Sören Albrecht die Diagnose Krebs. Die Erkrankung wütete in seinem Darm, der Bauchraum war mit Metastasen übersät. Ein Schock für den Familienvater: „Mein Sohn war gerade sechs. Er hat mit mir gelitten. Meine Frau auch“, sagt er. Seinen Optimismus hat Albrecht aber nie verloren. „Krank sein ist nicht schön. Ich wusste aber, dass ich bei den Ärzten gut aufgehoben bin. Sie sind schließlich dafür da, Menschen zu helfen, sie gesund zu machen.“

Sören Albrecht ist zum Arzt gegangen, als er über mehrerer Monate hinweg immer wieder Durchfall hatte und darin Blut fand. „Wie Männer so sind, warten sie erstmal ab. Getreu dem Motto: Das geht schon wieder weg. Meine Frau war beunruhigt“, erzählt Albrecht. Und der Hausarzt wenig später auch. „Ich kam ins Krankenhaus, wurde operiert“, erinnert sich der gebürtige Rostocker. „Anschließend wurde bei mir eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung angesetzt. Die volle Dröhnung.“ Was folgte waren Wochen voller Schmerz. „Ich bin mehr oder weniger dahinvegetiert“, sagt Albrecht. „Das war keine schöne Zeit. Aber ich hätte niemals den Kopf in den Sand gesteckt. Das Leben geht schließlich weiter. Ich konnte an meiner Situation nichts ändern, also entschied ich mich dafür, sie zu überstehen, zu kämpfen“, sagt der 39-Jährige. Rückhalt habe er dabei von seiner Familie bekommen. Und auch seine Freunde seien immer für ihn da gewesen.

Fünf Jahre lang musste Sören Albrecht halbjährig zur Darmuntersuchung gehen. Nun gilt er als geheilt. „Ich hatte in den vergangenen sieben Jahren nichts mehr. Keine große Erkältung, einfach nichts. Mir geht es gut“, sagt er. „Vielleicht habe ich ja immer noch Medikamente von meiner Krebsbehandlung im Körper.“ Sören Albrecht schmunzelt. Dabei weiß er, dass die Krankheit sein Leben verändert hat – zumindest ein klein wenig. „Ich muss aufpassen, was ich esse. Ich vertrage nicht mehr alles. Dabei kocht meine Frau so gerne und auch so gut. Aber von Jahr zu Jahr wird es besser mit der Ernährung.“ Albrecht wirkt nachdenklich. „Nachdem was mir widerfahren ist, müsste ich eigentlich viel bewusster durchs Leben gehen. Aber ich habe noch so viele Flausen im Kopf. Ich bin noch viel zu jung, um strikt nach Plan zu leben.“ Er sei nie ein Patient gewesen, der von seinen Ängsten übermannt wurde. „Man muss das Schicksal akzeptieren.“

Die Krankheit hat keinen Platz mehr in Sören Albrechts Leben. Der Krebs hatte seine Zeit. „Während der Chemotherapie und der Bestrahlung habe ich mich zurückgezogen. Ich wollte nicht, dass mich jemand so sehen muss“, erklärt Albrecht. Aber das ist vorbei. Bereits nach drei Monaten zog es den damals 32-Jährigen wieder zur Arbeit. Er sei nicht der Typ, der Zuhause sitzen und Däumchen drehen könne. Und auch mit seinem größten Hobby, dem Fußballspielen, hat er schnell wieder angefangen. „Wir sind eine Fußballer-Familie und dem FC Hansa Rostock treu. Mein Vater hat dort gespielt, ich habe dort gespielt und nun spielt mein Sohn auch dort“, verrät er. Mittlerweile ist es für Sören Albrecht aber nur noch Spaß. Einmal in der Woche trifft er sich mit seinen Jungs zum Kicken.