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See und Hafen Die Motoren ganz in Weiß

Von RFRA | 10.05.2018, 05:00 Uhr

„Treffpunkt Schiffsbetriebstechniker“ erörtert in Warnemünde Konzepte des modernen umweltfreundlichen Antriebs für Kreuzliner.

Auf der Meyer Werft in Papenburg hat der Kreuzliner „Aidanova“ Gestalt angenommen. Am 6. September vergangenen Jahres war er auf Kiel gelegt worden. Inzwischen füllen seine Ausmaße die große Schiffbauhalle der Werft aus. 337 Meter ist er lang, 42 Meter breit, 183 900 BRZ (Bruttoraumzahl) groß und wird Platz für bis zu 6600 Passagiere bieten. Am 31. August ist die Taufe geplant, am 2. Dezember startet das Schiff von Hamburg dann in seine erste Saison. „Aidanova“ ist das Typ-Schiff der Helios-Klasse und somit das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, welches dank des Einsatzes von vier Dual-Fuel-Motoren sowohl im Hafen als auch auf See mit dem derzeit umweltfreundlichsten und emissionsärmsten fossilen Treibstoff Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden kann.


Emissionen werden deutlich minimiertNeun dieser Kreuzfahrtriesen werden für die Carnival-Gruppe gebaut, drei davon für Aida, bei Meyer in Turku ist mit der „Costa Smeralda“ vor einigen Monaten der Bau des nächsten Helios-Cruisers angelaufen. Durch die Nutzung von LNG werden die Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden nahezu vollständig vermieden, der Ausstoß von Stickoxiden und die CO2-Emissionen verringert sich nachhaltig. Bereits heute können „Aidaprima“ und „Aidaperla“ der Hyperion-Klasse dank ihres Dual-Fuel-Motors während der Hafenliegezeit ihre Energie emissionsarm aus LNG produzieren. Voraussetzung ist allerdings die Verfügbarkeit von LNG im jeweiligen Hafen.

Technische Aspekte der verschiedenen Schiffsgenerationen von der Sphinx- über die Hyperion- bis zur Helios-Klasse erörterten Jens Kohlmann und Gunnar Rautenberg von Carnival Maritime vorige Woche mit Vertretern des Vereins Schiffsingenieure zu Rostock (VSIR) bei ihrem „Treff Schiffsbetriebstechniker“ am Warnemünder Bereich Seefahrt der Hochschule Wismar.

Die Referenten sind vor Ort verwurzelt. Jens Kohlmann, heute Vice President Innovation & Projects bei Carnival Maritime, ist gebürtiger Rostocker. Hier begann der Diplomingenieur für Schiffsmaschinen 1979 bei der DSR seine seemännische Laufbahn, fuhr als Technischer Offizier bereits auf der „Arkona“ und war bei Aida von Beginn an dabei. Gunnar Rautenberg hat in Warnemünde sein Studium 2010 abgeschlossen, fuhr auf verschiedenen Aida-Schiffen zur See, war in der Neubauabteilung von Aida tätig und ist nunmehr Senior Marine Engineer bei Carnival.

Sie gaben einen Überblick über die Entwicklungen, nennen technische Daten und stellen detailliert anhand von Grafiken und Bildern die Ausrüstungen in den Maschinenräumen vor.

Ihr Blickfeld ist dabei auf die modernsten, umweltfreundlichen und energieeffizienten Technologien gerichtet, die dazu beitragen, den Schadstoffaustrag zu senken, klimaschädliche Emissionen zu minimieren.

Von Filtern und Scrubber-Systemen ist die Rede und unter anderem am Beispiel des Abwassers von der Aufbereitung, den vielfältigen Möglichkeiten der Rückgewinnung. Ein Kurzfilm veranschaulicht den Bau der Schiffe der Hyperion-Klasse, Fotos zeigen die Bebunkerung der „Aidaprima“, der das Gas per Tank-Laster am Kai angeliefert und dann über Schläuche an Bord gepumpt wird.

Bei den neuen Schiffen der Helios-Klasse sind die Treibstofftanks gleich im Schiff integriert. Die Maschinenraum-Module bis hin zu den Tanks nebst kompletter Wäschereitechnik kommen von der Neptun Werft aus Rostock. Für die „Aidanova“ waren sie in zwei Partien im vergangenen Herbst nach Papenburg geliefert worden – die erste mit den vier Dual-Fuel-Motoren von Caterpillar (übrigens mit Fingerzeig auf den Umweltschutz ganz im weißen Farbanstrich), die zweite mit den drei LNG-Tanks, deren Inhalt für zwei Wochen Fahrt reichen würde, erfahren die Schiffsingenieure. Es gibt aber auch noch einen Dieseltank als Reserve so wie es auch einen Schiffsdiesel für den Notfall gibt.

Das Stichwort Landstrom fällt. Die Bereitstellung von Energie durch den Einsatz eines schwimmenden Flüssigkraftwerks hat sich in Hamburg trotz staatlicher Beihilfen deutlich teurer erwiesen und ein wirtschaftlicher Betrieb über die Kreuzfahrtsaison hinaus dürfte schwierig sein. Kiel will wie Hamburg eine feste Versorgungseinrichtung bauen. Dabei geht es um Millionen-Investitionen, die wohl vor allem der Steuerzahler zu tragen hat.


Arbeitsaufwand des Personals soll sinken Ein Bild vermittelt einen Einblick in den Maschinenkontrollraum der Helios-Schiffe, deren Szenerie von einer Video-Wand zur Überwachung der verschiedenen automatischen Systeme beherrscht wird. Der Arbeitsaufwand für das Personal soll sinken.

Gegenwärtig kommandiert ein Chief je nach Schiffsgröße auf den Aida-Schiffen etwa 50 bis 60 Leute. Die Reederei-Techniker geben auch Ausblicke in die Zukunft. Stichworte wie Brennstoffzellen, Batteriekapazitäten und Methanol machen die Runde. Zu den Erfahrungen mit LNG wird auch der Leitende Ingenieur des zwischen Stockholm und Turku verkehrenden Fährschiffes „Viking Grace“ zitiert, der die LNG-Technologie nicht mehr missen möchte. Dieses Schiff machte bereits die 1000. Betankung mit Flüssigerdgas.