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Ein Artikel der Redaktion NNN

Westen, Fahrräder und Bodycams Die Polizei in Rostock rüstet auf

Von Stefan Menzel | 10.11.2020, 00:50 Uhr

Die kleinen Kameras an den Schutzwesten sollen bereits in ein paar Monaten in Rostock dauerhaft zum Einsatz kommen.

Aus Sicht der Polizei brodelt es in Rostocks Nordwesten. Denn in den Stadtteilen zwischen Evershagen und Warnemünde beiderseits entlang der Stadtautobahn seien die Beamten laut dem Rostocker Chef der Polizeiinspektion, Achim Segebarth, besonders häufig mit Vorwürfen wie Körperverletzung im Amt oder Widerstand gegen die Ordnungshüter konfrontiert. In rund 40 Fällen wurden sie im vergangenen Jahr selbst Zielscheibe von Angriffen laut der aktuellen Kriminalstatistik.

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Bodycams sollen deeskalierend wirken

Kein Wunder also, dass neben den landesweit acht Hauptrevieren, wozu unter anderem das in der Ulmenstraße zählt, auch die Polizeidienststelle in Lichtenhagen im nächsten Jahr die so genannten Bodycams bekommen soll. Die Kameras, die etwa die Größe eines Mobiltelefons haben und an der Vorderseite der Polizisten angebracht sind, zeichnen das Geschehen während eines Einsatzes auf Knopfdruck auf.

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"Man erhofft sich, dass von den Geräten eine deeskalierende Wirkung ausgeht", so Segebarth. Die entscheidende Vorteile liegen für den Polizeidirektor auf der Hand: "Wenn tatsächlich Angriffe erfolgen oder Polizeibeamte übergriffig werden, hat man ein sachliches Beweismittel zur Verfügung."

Die Übergabe der Geräte ist für Frühjahr 2021 vorgesehen

Die Ausschreibung für den Kauf der Geräte ist momentan noch nicht abgeschlossen, so Marion Schlender, Sprecherin des Innenministeriums. Daher könne weder zum konkreten Modell noch zur Stückzahl Aussagen getroffen werden. Wie in einer Testphase vor zwei Jahren sollen die datenschutzrechtlichen Belange mit dem dafür zuständigen Beauftragten der Landesregierung abgestimmt werden. Geplant wäre die Übergabe der Bodycams an die Polizeibeamten im Frühjahr 2021.

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Zusätzlich erhalten alle Rostocker Beamte eine neue Schutzweste, an der Ausrüstungsgegenstände wie Handschellen oder Funkgeräte angebracht werden sowie ballistische Schutzplatten, so Segebarth weiter. Besonders im Straßenverkehr bieten die Westen durch reflektierende Flächen zusätzlichen Schutz. In diesem Jahr wären alle Beamten des Streifendienstes in MV mit den so genannten Außentragehüllen ausgestattet worden, teilte Schlender mit.

Polizei übernimmt Tierrettung

Der Einsatz von Fahrrädern habe sich in Rostock bewährt, so Segebarth. Daher sollen nach einem Versuchsmonat im Dezember Streifenpolizisten in der Hansestadt dauerhaft 16 Fahrräder zur Verfügung haben. Noch liege der Kauf der Drahtesel jedoch beim Innenministerium des Landes zur Prüfung vor.

Gänzlich ohne neue Ausrüstung oder Ausbildung müssen die Polizei bei ihrer neusten Aufgabe auskommen. Weil die Beamten der Berufsfeuerwehr ihre Waffen zur Tierrettung und Gefahrenabwehr abgeben mussten, übernimmt die Polizei nun diese Aufgabe in der Hansestadt. Zuvor waren die umstrittenen Tötungen eines Zebras in der Nähe der A20 und eines Wolfshundes teils heftig kritisiert worden.

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Betäubungsgewähre oder auch nur Fangschlingen wie die Feuerwehr haben die Ordnungshüter jedoch nicht und sollen auch nicht eingeführt werden, wie Schlender mitteilt. Die Konsequenzen aus dem Fehlen der Ausrüstung: "Es ist relativ klar, dass es zu Szenen kommen kann, die aus der Perspektive von Tierschützern nicht dem Tierwohl dienen", so Segebarth. Schlussendlich finde jedoch stets bei diesen "seltenen Fällen" eine Abwägung zwischen dem Schutz von Menschen auf der einen und dem Schutz von Tieren auf der anderen Seite statt.