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Rostock Die Trinkwasserversorger feiern

Von Redaktion svz.de | 09.06.2017, 08:00 Uhr

150 Jahre Wasserwerk: Ein Jubiläum mit historischem Rückblick bis 1867 #wirkoennenrichtig

Duschen, Zähneputzen, Kaffeekochen... Wenn der Rostocker am Morgen sein Heim verlässt, hat er durchschnittlich schon um die 50 Liter Trinkwasser verbraucht. Die restlichen 46 Liter werden über den Tag verteilt genutzt. Das jederzeit verfügbare Wasser aus dem Hahn wird als selbstverständlich betrachtet. Dabei war es das nicht immer: Die frühe Wasserversorgung erfolgte durch strapaziöses Schöpfen und Tragen von Wasser aus Gräben, Teichen und Flüssen, später aus Brunnen mit Pumpen. Borngesellschaften lieferten das ungereinigte Wasser für die Rostocker Bevölkerung über vorwiegend hölzerne Leitungen in die Stadt. Erkrankungen, wie bei den Choleraepidemien 1850 und 1859 in Rostock, waren auch auf das verunreinigte Trinkwasser zurückzuführen.

Im Jahr 1867 entstand auf dem Gelände der Gasanstalt – nahe der Bleicherstraße – die erste öffentliche Wasseranstalt, die offiziell am 7. Juni in Betrieb ging. Das gereinigte Wasser pumpte man mittels zweier Kolbenpumpen bis zum ersten Rostocker Wasserturm auf dem Oberwall. Doch der rasche Bevölkerungsanstieg führte das Wasserwerk bereits in den 1880er-Jahren an seine Grenzen. Ein neues Werk war dringend nötig.

Die natürliche Hanglage zur Oberwarnow an der heutigen Blücherstraße begünstigte die verschiedenen technologischen Stufen der Wasseraufbereitung ab 1894. Der Bau des „neuen“ Wasserturms zwischen 1901 und 1903 markierte einen weiteren Fortschritt in der Rostocker Wasserversorgung. 1940 erreichte das Rohrnetz 214 Kilometer Länge und der jährliche Trinkwasserverbrauch überstieg erstmals die zehn Millionen-Kubikmeter-Marke. In diesem Jahr wurde darüber hinaus mit dem Bau neuer, komplexer Reinigungsanlagen begonnen.

Nach Gründung der DDR 1949 platzte Rostock aus allen Nähten. Die anschließende Stadterweiterung ging einher mit dem Ausbau des Rostocker Wasserwerkes und des Trinkwassernetzes. Ende 1989 lebten 252 956 Einwohner in Rostock, die Wasserförderung erreichte eine tägliche Kapazität von über 100 000 Kubikmetern. Nach der politischen Wende gehörte eine „Schönung“ des gesamten Reinwassers mittels Aktivkohle zu den ersten Maßnahmen. Die 1992 gegründete Eurawasser GmbH erweiterte das Wasserwerk durch eine moderne Vor- und Hauptozonung sowie Schlammbehandlung.

Heute liegt der durchschnittliche Tagesbedarf der Rostocker bei 32 000 Kubikmetern, das Wasserwerk verfügt jedoch über eine Kapazität von 50 000 Kubikmetern, um auf künftige Entwicklungen reagieren zu können. Über das inzwischen 1000 Kilometer verzweigte Leitungsnetz wird das Trinkwasser an die Rostocker und 17 Gemeinden im Landkreis verteilt.

Tag der offenen Tür
Am Sonnabend feiert Eurawasser das 150. Jubiläum der öffentlichen Wasserversorgung in Rostock mit einem Tag der offenen Tür, der spannende Einblicke und ein unterhaltsames Programm bietet. Das große Wasserfest steigt von 10 bis 17 Uhr am größten Wasserwerk des Landes am Rostocker Wasserturm. Es gibt Infos zur Wasseraufbereitung, eine historische Ausstellung, eine neue Broschüre, Wasserverkostungen sowie Bühnenprogramm, Kinderunterhaltung und Kulinarik auf der Festwiese.