Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Typisch-Rostock Die Winters lieben Warnemünde

Von mapp | 22.06.2018, 05:00 Uhr

In der Porträtserie vor dem Stadtgeburtstag stellen wir heute Hannes Winter vor. Er ist mit Haut und Haar dem Wassersport verfallen, seine Frau Romy ebenso und die drei Kinder Alma, Len Ruwen und Klara Lilian treten vielleicht auch in ihre Fußstapfen.

Hannes Winter ist ein echter Warnemünder Junge. Und das ist er geblieben, obwohl er jetzt 34 Jahre alt, dreifacher Vater und Unternehmer mit stylischem HW-Shapes-Surfshop ist. Ein gebürtiger Warnemünder ist der schlanke, blonde Mann nicht. Zum Zeitpunkt seiner Geburt im Januar 1984 war das Geburtshaus in der Kurhausstraße bereits geschlossen. Dort praktizierte seine Oma Christa Junge als Ärztin, die mit ihrem Team unzähligen Mädchen und Jungen auf die Welt geholfen hat. Schon damals wurde die Grundlage für zwei Dinge gelegt: für seinen Familiensinn und die Leidenschaft für das Surfen. „Damals hieß das Brettsegeln, mein Onkel Ralph-Holger Junge war darin ziemlich gut“, bescheinigt der Neffe. Auch Vater Reinhard Winter war Brettsurfer. Weil so ein Sportgerät als potenzielles Fluchtmittel über die Ostsee argwöhnisch beäugt wurde, hatten die Bretter eine spezielle Marke.

Dass Hannes Familiensinn so ausgeprägt ist, hat einen Grund: „Ich habe viel Zeit mit meinem Bruder Marcus und meinen Cousinen und Cousins verbracht“, erzählt Hannes. Und im Garten seiner Eltern mit Kaninchenzucht waren alle gern. Auch heute noch. Ebenso gehörte das Surfen zur Leidenschaft des Warnemünders. „2000 ging es los mit dem Kitesurfen“, erzählt Hannes. Nach dem Abitur hat er Betriebswirtschaftslehre studiert und mit dem Abschluss als Diplom-Kaufmann beendet. Selbst seine Abschlussarbeit behandelte das Thema Surfen. Als ein Freund aus den USA ein Skimboard mitgebracht hat, war es um Hannes geschehen. Skimboard lässt sich wie Skaten auf dem Wasser beschreiben. „Man wirft das Board ins Wasser und springt drauf“, erklärt er. Weil es ihn fuchste, dass er es nicht zu kaufen bekam, hat er sich eins gebaut. „Anfangs nur für mich, dann für Freunde und später wuchs die Nachfrage nach meinen handgemachten Skimboards“, erzählt er. Neben dem Studium hat der Warnemünder einen Kitelehrer-Schein gemacht und einen Online-Shop aufgemacht mit dem Schwerpunkt der Produktion und Anfertigung von individuellen Skimboards. Im Studium hat er seine Frau Romy kennengelernt, sie ist im Laden mit eingestiegen, den er 2009 in der Friedrich-Franz-Straße eröffnet hat. Damals mit dem Warnemünder Gregor Harms als einzigen Mitarbeiter. Ursprünglich sollte der Standort bis 2020 bleiben, aber das Haus wurde verkauft. Und weil Hannes Eltern Reinhard und Heike Winter in der Heinrich-Heine-Straße ein Haus und das Ladengeschäft Luminos hatten, entschieden alle gemeinschaftlich, dass Hannes das Ruder in die Hand nimmt. Er hat dort mit seinem Team ein cooles Mekka für Surfer geschaffen, in dem die Augen von Wassersportlern und Urlaubern zu leuchten beginnen. „Ich wollte so etwas kreieren, wo sich die Leute richtig gut fühlen“, sagt er. Das ist gelungen, Platz gibt es reichlich, eine Sitzecke und zum Essen stehen vegane Kuchen auf der Tafel, weil sich Romy und Hannes Winter für diese Ernährungsform entschieden haben. Ihre drei Kinder Len Ruwen (9), Klara Lilian (6) und Alma (ein Jahr) leben aber nicht komplett vegan. Die Lütten sind alle in die Kita Strandmuschel gegangen, wo Hannes selbst als Kind war. „Als ich das erste Mal dort als Vater hereinkam, rief eine Erzieherin ,Hallo Hanni’ und alles war wie früher“, sagt er. Einmal im Jahr schenkt der Unternehmer der Kita zwei selbst gebaute Skateboards und er lädt die Knirpse an den Beach- und Sportstrand beim Zeltbereich von HW-Shapes mit Verleih und dem 25 Meter langen Skimboard-Pool ein. Das HW-Shapes-Team ist größer geworden. Jetzt gibt es mit dem Chef vier Festangestellte und drei Aushilfen. Und alle teilen die Leidenschaft für das Surfen.

Was Hannes und alle Wassersportler am Wind- und Kitesurfen, Stand Up Paddling und Skimboarden lieben: „Das ist neben der Liebe zu dem Sport und dem Wasser das Gefühl der Freiheit“, erklärt der 34-Jährige. „Auf dem Wasser ohne Telefon bekommt man mal den Kopf frei, was beim Laufen nicht der Fall ist, weil man ständig angesprochen wird“, vergleicht er. Trotz eines großen Arbeitspensums gehört zum Eldorado für Surfer, dass alle auch mal auf die Bretter können: „Bei Wind versuchen wir, auf das Wasser kommen oder sonst nach Feierabend“, erzählt der junge Chef.

Seit Kurzem leben er und seine Frau nicht mehr in Warnemünde, sondern im Umland. Ein leider schwingt mit. Das ist ein Stück Warnemünder Wirklichkeit. „Bezahlbaren großen Wohnraum für Familien mit vielen Kindern gibt es kaum“, sagt der dreifache Vater. Trotzdem ist er durch den Job oft zehn Stunden täglich im Seebad. Warnemünde hat sich seit seiner Kindheit verändert. Es ist voller geworden, touristischer, es wird mehr geregelt. Für vieles gibt es B-Pläne, statt normaler Wohnungen sind viele Ferienwohnungen entstanden. Ein Skateboard-Park fehlt in seinen Augen im Seebad. „Viele denken, dass das hässlich und schmuddlig ist, das muss es nicht sein, aber das Angebot wünschen sich viele junge Leute“, weiß Winter. Weil er Wasser liebt, setzt er sich für Strandsäuberungsaktionen namens Beach Clean Up ein und unterstützt Projekte zum Haischutz. Außerdem möchte er vor dem Surf-Shop in der Heinrich-Heine-Straße eine Baumpatenschaft übernehmen und einen Grünstreifen pflegen, damit eine kleine grüne Oase entsteht.