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Rostock Discounter Lidl kauft die Anker-Ruine

Von Christine Weber | 16.02.2012, 10:03 Uhr

Es gibt Grund zur Hoffnung, dass die Anker-Ruine bald aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt wird.

Der Discounter Lidl hat jetzt das Grundstück in der Doberaner Straße gekauft. Geplant ist offenbar eine kombinierte Nutzung des historischen Fabrikgebäudes mit Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten. Genaue Pläne will der Investor aber noch nicht vorstellen. "Derzeit befinden wir uns in der Abstimmung mit den Behörden der Stadt Rostock", sagt Lidl-Sprecherin Petra Trabert.

Hoffnung auf schnelle Entwicklung

Da der 1873 gebaute Backstein-Komplex unter Denkmalschutz steht, gibt es besondere Anforderungen an einen sensiblen Umbau. "Stadtplanung und Denkmalpflegeamt werden darauf achten müssen, dass die Denkmalsubstanz erhalten bleibt", sagt Frank Giesen (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses der Bürgerschaft. Er begrüßt den erneuten Verkauf des Grundstücks. "Nach langem Hin und Her haben wir endlich einen Partner, von dem wir hoffen, dass er die Anker-Fabrik vernünftig und schnell entwickelt", sagt er. Denn viel Zeit bleibe nicht mehr, um den historischen Kern zu erhalten. Darauf hatte auch Stadtkonservatorin Uta Jahnke in der Vergangenheit hingewiesen. Sie hatte die Anker-Fabrik als einmaliges Zeugnis Rostocker Industriegeschichte bezeichnet.

Das Ensemble in der Doberaner Straße wurde im 19. Jahrhundert ursprünglich für die Steinbeck-Brauerei gebaut, die später von Mahn und Ohlerich übernommen wurde. Bis 1948 war der Komplex vor allem Mälzerei, erst danach wurde er zur Anker-Spirituosenfabrik. Schnaps wurde aber nur bis 1994 gebrannt. Dann wurde die Anker-Immobilie von der Treuhand verkauft.

Seitdem hatte es immer wieder Pläne für eine neue Nutzung gegeben. So sollte eine Seniorenresidenz mit 120 Betten dort einziehen. Auch ein Angebot für Freizeitkletterer am Malzturm war eine Zeit lang im Gespräch. Doch bisher scheiterten alle Versuche, das Gelände wiederzubeleben, an der Finanzierung. Durch Vandalismus und den Einfluss von Wind und Wetter verfiel das Gebäude zuletzt zusehends.

Gutachten für Einzelhandel liegt vor

Erste konkrete Pläne für den Umbau zum Wohn- und Geschäftskomplex in historischen Mauern könnte es schon Mitte März geben. Bis dahin will Lidl sich in den noch offenen Fragen mit den städtischen Behörden abgestimmt haben. Bedenken, dass ein Supermarkt in der Doberaner Straße nicht mit dem Einzelhandelsentwicklungskonzept der Stadt vereinbar ist, hat Ralph Müller, Chef des Stadtplanungsamtes, bereits ausgeräumt: "Ein positives Gutachten zur Verträglichkeit liegt vor."