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Norddeutsche Neueste Nachrichten Drama um das Bäderschiff

Von Reiner Frank | 28.12.2011, 11:00 Uhr

1910 auf der Neptun-Werft gebaut, gilt die "Kronprinz" ("Undine") als ältestes deutsches Bäderschiff an der Ostsee.

Manch Odyssee hat der Dampfer in seinem bewegten Leben abwettern können, jetzt scheint seine Lage ernster denn je, womöglich sein Schicksal besiegelt. Die Geschäftsführung der Schiffs- und Yachtwerft Dresden hat Zeitungsberichten zufolge im Amtsgericht Dresden im November die "Beseitigung einer Besitzstörung" beantragt. Das heißt: Die Werft will den 2006 von Rostock zum Wiederaufbau überführten Schiffsrumpf wieder loswerden, am liebsten verschrotten.

In dem damaligen Werfteigner Thorsten Müller hatte der Förderverein einen Partner gefunden, der den Dampfer wieder aufzubauen versprach. In Laubegast wären dafür die Fachkräfte vorhanden, die auch die Kunst des Nietens noch beherrschen, hieß es damals. Der Werfteinkäufer stellte bereits die Liste der benötigten Teile und Materialien zusammen. Investoren wurden für die Finanzierung dieses Fünf-Millionen-Objektes allerdings noch gesucht. Mit dem Tourismusverband MV wurden die Weichen für eine 50-prozentige Förderung gestellt - als schwimmendes Haus des Gastes sollte das Bäderschiff für den Tourismus hierzulande auf den Hafenfesten entlang der Ostseeküste Flagge zeigen.

Dann kam die Krise, das Vorhaben, das Projekt bis zum 100-jährigen Jubiläum des Schiffes zu vollenden, gelang nicht. Und Anfang 2011 schlitterte die Werft in Dresden-Laubegast in die Pleite. Ein Großauftrag, der Bau von zwei Fähren für Kenia, wurde der Werft zum Verhängnis. Die Finanzierungsrisiken im Afrika-Geschäft waren offenbar unterschätzt worden. Der aufliegende Kasko aus Rostock wurde jetzt als Störenfried im Betriebsablauf geoutet. Der von der Insolvenzverwaltung eingesetzte Geschäftsführer sieht im Interesse der Gläubiger zu, was er zu Geld machen kann. Die Werft verlangt nun Liegeplatzgebühren, setzt den Verein unter Druck, damit der den Millionen-Auftrag auslöst. Vereinssprecher Robert Rosentreter weist das Ansinnen der Verschrottung zurück und betont, dass das Schiff nach wie vor unter Denkmalschutz steht. Zudem gebe es Vereinbarungen mit dem damaligen Werftchef, an die sich auch die neue Führung zu halten habe. Er erinnert an die Bereitschaft des Tourismusverbandes für den Wiederaufbau des Traditionsschiffes, der nicht nur ein Mitspracherecht habe, sondern auch 55 Prozent der Anteile einer künftigen gemeinsamen Betreiber-Gesellschaft trage. Wünschenswert hält er eine Aufstockung der Landesförderung. Bei einer 75-prozentigen Landesbeteiligung stünde auch ein Kreditgeber für den Rest der Investitionen bereit.

Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV, unterstreicht noch einmal die ideele Wertigkeit dieses Schiffes. Neben der wieder geschaffenen Bäderarchitektur mit Molli und Rasendem Roland sei der alte Bäderdampfer "Kronprinz" ("Undine") praktisch der letzte Zeuge des traditionsreichen Bäderwesens an der heimischen Küste und ein erhaltenswertes Gut. Das Anliegen wurde vom Vorstand des Tourismusverbandes MV deshalb auch unterstützt und im Schweriner Wirtschaftsministerium wurde eine 50-prozentige Landesförderung in Aussicht gestellt.

Ein Gutachten von Grieger & Mallison, abgestimmt mit Experten von der Universität Rostock um Prof. Pentscho Pentschew, dem Ingenieurbüro Neptun Ship Design und dem Stadtkonservator Peter Writschan, sondierte die Möglichkeiten für den Wiederaufbau. Ein tragfähiges Konzept, so Fischer, konnte nicht entwickelt werden. Etwa 5,5 Millionen Euro sind für den Wiederaufbau veranschlagt, dazu kommt eine halbe Million für die Ausrüstung. Selbst wenn das Schiff am Kai festgebunden bliebe, werde das nicht viel billiger.

Eine Aufstockung der Landesförderung sei aber illusorisch, größere Sponsorenhilfe nach wie vor gefragt. Dafür müsse das Schiff aber wieder ins Blickfeld des öffentlichen Interesses rücken. Für viele Mecklenburger sei das in Sachsen aufliegende Schiff aus dem Bewusstsein verschwunden. Fischer plädiert deshalb dafür, den Schiffsrumpf wieder nach Rostock zurückzuholen. Selbst wenn sich hier alle Träume zerschlagen sollten, könnte wenigstens der Kasko als Beleg alter Schiffbautradition und des Bäderwesens etwa im Umfeld des Traditionsschiffes erhalten werden. Eine Entscheidung darüber müsse aber der Verein treffen, der nach wie vor Eigner des Schiffes sei. "Wir werden noch einmal Gespräche mit allen Beteiligten führen und die Möglichkeiten prüfen", sagte Fischer zu. Nach den Informationen aus Dresden besteht Handlungsbedarf.