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#wirkoennenrichtig heimat Drei bedeutsame Jubiläen

Von Redaktion svz.de | 12.06.2017, 15:00 Uhr

Kolumne zum historischen Stadtrundgang am Stadtgeburtstag

Auch in diesem Jahr wird es zum Stadtgeburtstag am 24. Juni einen Rundgang durch die Hansestadt Rostock geben. Dr. Joachim Lehmann ist einer der Organisatoren. Lesen Sie seine Gastkolumne.

Ob es ein „Triläum“ ist, ob es so etwas überhaupt gibt, sei einmal dahingestellt. Interesse hat es jedenfalls geweckt. Fest aber steht: Auch im Jahr 2018 jährt sich am 24. Juni der Rostocker Stadtgeburtstag. Und dies zum 800. Mal. Im Jahre 1218 bestätigte Heinrich Borwin I. dem Gemeinwesen an der Warnow das lübische Stadtrecht. Mit Blick auf das Jubiläum 2018 würdigen seit nunmehr zehn Jahren drei hier engagierte Rostocker Vereine diesen Tag mit einem Stadtrundgang für interessierte Bürger. Dem Stadtjubiläum 2018 vorgeschaltet ist in diesem Jahr die Würdigung von 500 Jahren seit dem Thesenanschlag Martin Luthers, der die Reformation der christlichen Kirche einleitete. Und im Jahr 2019 kann die als „Leuchte des Nordens“ apostrophierte Rostocker Universität auf 600 Jahre ihrer wechselvollen Geschichte zurückblicken. In Summa also tatsächlich drei bemerkenswerte Jubiläen.

Einer der drei erwähnten Vereine ist der Verein für Rostocker Geschichte. Dieser hat von Beginn an die Initiative des Stadtführervereins zur Vorbereitung des Stadtjubiläums im Jahre 2018 im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt. Dabei ließ er sich immer von dem Grundsatz der Einheit von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem leiten. Dies gilt in besonderer Weise für die Wahrnehmung von Verantwortung bei der sinnvollen Erhaltung des historischen Stadtbildes und seiner weiteren Ausgestaltung.

Bereits bei seiner Gründung im Jahre 1883 formulierten seine damaligen Gründer ihr Anliegen in dieser Richtung: „Der Zweck des Vereins für Rostocks Alterthümer ist die Sorge für diejenigen alten Bauwerke im Gebiete der Stadt, welche wegen ihrer künstlerischen Ausführung oder wegen ihrer stadt- oder culturgeschichtlichen Bedeutung der Erhaltung und Pflege würdig sind, und die Aufsuchung und angemessene Erhaltung derjenigen alterthümlichen Kunstwerke und kunstgewerblichen Gegenstände, sowie aller sonstigen Alterthümer, welche für die Stadt- oder Culturgeschichte Rostocks von Interesse sind, sowie die Erwerbung, Aufstellung und öffentliche Schaustellung dieser Gegenstände – soweit sie sich dazu eignen – in einem hiefür hier in Rostock zu errichtenden Museum“.

Vielleicht noch wichtiger als die Sammlung für die bald erfolgende Museumsgründung waren die Bemühungen zur Erhaltung und Bewahrung von Denkmälern der Stadt. Denn nicht zuletzt die Zerstörung und der Verfall von Gebäuden und anderen Denkmälern hatten die Vereinsgründung so dringend werden lassen.

Im vergangenen 20. Jahrhundert konnte die alte Hanse- und Universitätsstadt an der Warnow gleich zwei Mal ein großes Jubiläum ihrer formalen Stadtwerdung verzeichnen. 1918 waren seit dem 24. Juni 1218 schon 700 Jahre vergangen und 1968 war mit 750 Jahren auch ein durchaus gängiger Anlass für eine Jubelfeier gegeben. Dazwischen aber lag mit den Zerstörungen durch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg der wohl katastrophalste und folgenreichste Eingriff in das über Jahrhunderte gewachsene Erscheinungsbild der Stadt. Gerade die gravierenden Folgen der Verwüstungen erfordern engagierten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Verbliebenen und mit Fingerspitzengefühl verbundene Sorgfalt bei der unbedingt notwendigen Behebung noch vorhandener Missstände. Hier ist aktuell an den östlichen Stadteingang mit dem Petritor und an die Nordseite des Neuen Marktes zu denken.

Bis in unser nunmehr zweites Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts haben auch die Jahre seit den letzten Jubiläen Rostock vielfach und grundlegend verändert. Deren Geschichte mit entsprechenden Schlussfolgerungen nachzuvollziehen und sichtbar zu machen, ist Anliegen des Vereins für Rostocker Geschichte. Auch zukünftig will der Verein das Ziel seiner Gründer engagiert weiter verfolgen, nämlich „die Vergangenheit unseres Gemeinwesens nach allen Richtungen hin zu beleuchten“, wie es uns der verdienstvolle Rostocker Stadtarchivar Karl Koppmann überlieferte.