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Rostock Droge Alkohol: Rostockerin warnt vor Banalisierung

Von Redaktion svz.de | 26.05.2013, 07:51 Uhr

Die Sucht- und Psychiatriekoordinatorin der Stadt Rostock, Antje Wrociszewski, hat vor einer Banalisierung des Alkoholkonsums von Jugendlichen gewarnt.

"Alkohol ist und bleibt ein Zellgift, auch wenn er zum täglichen Leben fast dazugehört", sagte Wrociszewski vor der 4. landesweiten Aktionswoche gegen Suchtgefahren. Schätzungen zufolge trinken 90 Prozent der Erwachsenen Alkohol, da sei es kein Wunder, dass sehr unkritisch damit umgegangen wird.

Die Expertin ist sich sicher, dass höhere Alkoholsteuern oder Sanktionen alleine nichts bewirken. "Das geht nur über Einsicht." Beim Rauchen habe sich gezeigt, dass aus der Kombination von vielen Maßnahmen ein Problembewusstsein entsteht und das Rauchen langsam zurückgedrängt wird. "Man kommt sich ja fast komisch vor, wenn man in der Öffentlichkeit vor dem Konsum von Alkohol warnt", sagte Wrociszewski.

Doch die Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) seien erschreckend: Durch alkoholbedingte Erkrankungen, Fehlzeiten oder Frühberentung entsteht in Deutschland ein volkswirtschaftlicher Schaden von knapp 27 Milliarden Euro pro Jahr. Etwa 74 000 Menschen sterben nach Angaben der Suchtexperten jährlich an den Folgen von Alkohol allein oder in Kombination mit dem Rauchen - dem zweiten großen Suchtproblem in Deutschland.

Leider gehöre es immer mehr zur Jugendkultur, sich ab und an zu betrinken. "Zwei Drittel der 12- bis 15-Jährigen haben schon einmal Alkohol getrunken." Doch bei vielen Jugendlichen bleibe es nicht beim hin und wieder. Gerade während des Wachstums sei ihr Körper gegenüber Alkohol als Zellgift besonders verletzlich. Zudem werden in dieser Zeit viele Weichen für das weitere Leben gestellt.

Junge Menschen müssten bedenken, dass der Weg in die Abhängigkeit sehr kurz sein kann und die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit abnehme. "Schulen oder Lehrbetriebe schauen sich das nicht lange an", warnte Wrociszewski. Sie riet jungen Leuten, einfach mal vier Wochen ohne Alkohol durchzuhalten. "Sind die überstanden, weiß man, dass man nicht abhängig ist."