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Stadtmitte Droht der Kahlschlag auf dem Wall?

Von Christina Milbrandt | 09.01.2013, 08:39 Uhr

Gerade erst sind die Sanierungsarbeiten am Kröpeliner-Tor-Vorplatz beendet, da soll es auch schon weitergehen.

Rostock will jetzt die Eingangsbereiche der Wallanlagen sanieren und damit attraktiver gestalten. So soll der Bereich, der direkt an das Kröpeliner Tor anschließt und sich bis zur Stadtmauer hochzieht, durch das Entfernen der Betontreppen barrierefrei gestaltet werden. Die Erneuerung des Eingangs zum Oberwall soll die Baumaßnahmen beim Kröpeliner Tor ergänzen. Außerdem plant die Stadt, den nördlichen Teil der Hermannstraße und den daran angrenzenden östlichen Eingang der Wallanlagen umzubauen. Die Arbeiten beginnen voraussichtlich noch in diesem Jahr. "Das ist dringend notwendig und sollte nun schnell losgehen", sagt Uta Jahnke vom Amt für Kultur und Denkmalpflege. Die Behörde war direkt in die Planung des Projektes involviert. "Wir haben das mit betreut und stehen auch dahinter", sagt Jahnke.

Umbau macht Anlagen barrierefrei

Hauptverantwortlich für den Umbau ist die Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS). In ihrem Auftrag arbeitet das Büro des Landschaftsarchitekten Stefan Pulkenat an den Plänen für den nördlichen Walleingang. Sicher ist schon jetzt: Der Bereich wird zur treppenfreien Zone. "Die Betontreppen, Schächte und Betonreste werden weggenommen", sagt Pulkenat. Dadurch gewinnt das Areal vor allem an Barrierefreiheit, wie auch Jahnke betont: "Der behindertenfreundliche Charakter, der durch die Wegnahme der Treppen entstehen soll, ist dringend notwendig." Laut Pulkenat könne man den unterirdischen Telefonbaukörper an dieser Stelle aufgrund zu hoher Kosten nicht komplett entfernen. "Es wird eine Anpassung erfolgen, soweit es möglich ist", sagt er. Die Kosten für die Sanierungsmaßnahmen im Nordbereich liegen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bei etwa 550 000 Euro, wovon mehr als 440 000 Euro aus den Mitteln der Städtebauförderung stammen.

Die Wallanlagen gehören zu den historischen Befestigungsanlagen der Hansestadt, die ihren Ursprung im 16. Jahrhundert haben. Die dazugehörige Stadtmauer geht sogar bis ins 13. Jahrhundert zurück. "Die ursprünglichen Befestigungsanlagen sind jetzt nur noch in Fragmenten vorhanden", so Jahnke.

In Zukunft sollen mehr Pflanzen wachsen

Nachdem schon die Sanierung des Platzes vor dem Kröpeliner Tor auf Widerstand gestoßen ist, gibt es auch diesmal Einwände von Seiten der Naturschützer. So sagt Thomas Pietsch von der Bürgerinitiative Rostocker Frühling: "Ich finde vor allem bedauerlich, wenn die Gehölze und Büsche zurückgenommen werden sollen. Die Pläne finde ich deshalb nicht gut." Rostock bräuchte zwar freie Liegeflächen, es sollten aber Büsche für Vögel und andere Tiere erhalten bleiben. Architekt Pulkenat kann diese Befürchtungen allerdings zerstreuen. "Es werden keine Pflanzen entfernt, sondern sogar noch welche dazukommen", erklärt er.

Dieses Anliegen ist auch den Bürgern wichtig. "Der Eingangsbereich ist eher eine hässliche Ecke und deswegen kann man da schon etwas machen. Aber nur, wenn es dann auch wieder ordentlich bepflanzt wird. Es wäre schön, wenn es am Ende auch gut aussieht", so die 45-jährige Heike Tröger. Dem Architekten ist der besondere Charakter der grünen Parkanlage im Rostocker Stadtzentrum bewusst: "Dieses barocke Bodendenkmal muss ganz sensibel behandelt werden. Das ist etwas ganz Kostbares."