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Rostock E-Scooter: Ein Jahr nach dem Verbot in Straßenbahnen

Von NICP | 25.01.2018, 05:00 Uhr

RSAG stellt Vorschläge im Behindertenbeirat vor, aber Betroffene sind frustriert. Das Bürgerbüro drängt auf Kompromiss bei der Mitnahme. #wirkoennenrichtig

Dürfen E-Scooter-Fahrer bald wieder in Straßenbahnen mitfahren? Diese Frage und die Bedingungen dafür klärt die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) mit den Vertretungen der Betroffenen. Im Behindertenbeirat wird heute ein Sachverständiger des Unternehmens erwartet.

„Sobald es ein Scooter-Modell gibt, das im ÖPNV mitgenommen wird, werden wir Schulungen für E-Scooter-Fahrer anbieten“, versichert Sprecherin Beate Langner. Aber die RSAG bleibe bei ihren Mitnahmebedingungen. „Das Scootermodell muss für den ÖPNV zugelassen sein“, sagt Langner, „und das muss in der Betriebsanleitung vermerkt sein“. Noch sei erst ein Modell fast marktreif. Die Vorbereitungen zur Mitnahme hat die RSAG schon getroffen: Die 68 Busse und 53 Straßenbahnen sind mit Haltebügeln und Rückhalteeinrichtungen aufgerüstet. „Es zählt die sichere Mitnahme“, so Langner. Aber noch sei die für Scooter ausgesetzt – eben zur sicheren Beförderung aller Fahrgäste.

„Wir können die Bauchschmerzen nicht verstehen, schon gar nicht bei Straßenbahnen. Das ist völlig übertrieben“, sagt Ina Latendorf vom Büro des Bürgerbeauftragten MV, „wenn Haltevorrichtungen eingebaut sind, ist ein durchschnittliches E-Mobil kein besonderes Risiko.“

Seit fast einem Jahr nimmt die RSAG keine E-Scooter mehr mit. Das Verbot war am 15. Februar erlassen worden – nach Tests in Dresden, die gezeigt hätten, dass E-Scooter leicht kippen könnten. Der RSAG ging es auch um Versicherungsfragen. Im März war ein Erlass des Infrastrukturministeriums gefolgt, der die Mitnahme von E-Scootern in Bussen einheitlich regeln sollte – für Betriebe und Betroffene – mit strengen Vorgaben. Die RSAG übertrug ihn auch auf Bahnen. Laut Latendorf sei das Risiko aber nicht übertragbar.

Rostocks Behindertenbeauftragte kritisiert generell den Erlass: „Es ist eigentlich eine Katastrophe, was die sich da ausgedacht haben“, sagt Petra Kröger. Größtes Problem: Die Scooter müssen für die Mitnahme zertifiziert sein. Damit kommen Hersteller aber so schnell nicht hinterher, auch wenn solche wie Invacare mit Hochdruck daran arbeiten würden. Zudem: „Die Leute, die jetzt E-Scooter haben, kriegen von ihren Krankenkassen nicht sofort einen neuen E-Scooter bezahlt, der den Vorgaben entspricht“, so Latendorf. Aus Sicht des Büros bestehe zumindest in Straßenbahnen Beförderungspflicht – wie in Schwerin praktiziert. Das Büro schlägt der RSAG einen Kompromiss vor: Die Mitnahme auf eigene Gefahr – wie bei der Deutschen Bahn.

Die führt auch Jens Schmidt als gutes Beispiel an. Der Rostocker ist fünf Jahre lang mit seinem E-Scooter mit der RSAG gefahren, sieht im Ausschluss eine „ausdrückliche Einschränkung für die Behinderten“. Die Sicherheitsbedenken könne er für Busse noch verstehen, nicht aber für Bahnen. „Für hundertprozentige Sicherheit müsste man alle zwingen, sich anzuschnallen.“