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Rostock Ein Blick hinter historische Kulissen

Von Torben Hinz | 11.09.2011, 07:18 Uhr

Neugierig guckt Bernd Müller auf die Wappen und Jahresdaten, die im Lichthof des Ständehauses in die Wand eingelassen sind.

"Sie stehen für Mecklenburg, Vorpommern und Stargard", klärt ihn Christian Hoffmann vom Betrieb für Bau und Liegenschaften auf. Am gestrigen Tag des offenen Denkmals hat er alle Hände voll zu tun, die Fragen der Besucher zu beantworten. Denn die sorgten in allen teilnehmenden Häusern für einen Ansturm. Beliebtestes Ziel: das barocke Stadtpalais in der Koßfelderstraße 11. Zeitweise betrug die Wartezeit hier drei Stunden.

Aber auch die übrigen 14 Denkmäler durften sich über die große Nachfrage der Rostocker freuen. Unter anderem öffneten das Kloster zum Heiligen Kreuz, die St. Marienkirche, die Villa St.-Georg-Straße 103 oder auch das ehemalige Botanische Institut ihre Pforten. Vor dem Ständehaus warteten die Besucher schon vor dem offiziellen Startschuss um 10 Uhr auf Einlass, berichtet Hoffmann. In den Vorjahren nutzten bis zu 3000 Leute die seltene Gelegenheit, einmal das rund 120 Jahre alte Gebäude von innen zu besichtigen. Sonst tagt hier das Oberlandesgericht.

Originaldurchfahrt für Kutschen

Die ursprüngliche Funktion als Ständehaus wurde auch bei der Sanierung vor vier Jahren berücksichtigt. Fliesen im Lichthof zeigen nun an, wo früher die Kutschen durchfuhren, um Gefangene oder Richter im Gebäude abzusetzen. Auch der Wandteppich - eigentlich eine Wandmalerei - im Plenarsaal wurde nach einer Postkarte von 1905 originalgetreu wiederhergestellt. "Das ganze Gebäude ist ein Highlight", schwärmt Hoffmann. Er freut sich, den Steuerzahlern eine solche Gelegenheit zur Besichtigung geben zu können. Schließlich sei das Ständehaus mit ihrem Geld saniert worden.

Auch Heidemarie und Dirk Brömme, 67 und 68 Jahre alt, nutzten dieses Angebot gerne: "Es sieht alles ein bisschen schicker aus jetzt, wir kennen das Haus noch aus unserer Jugendzeit." Damals nahmen sie dort Tanzstunden, feierten Klassenfeste und Abschlussbälle. "Gerade die älteren Rostocker schwärmen alle noch und kriegen glänzende Augen", sagt Hoffmann.

Ein Stück lebendige Geschichte erwartete die Besucher auch im Kaufmannshaus Krahnstöver in der Großen Wasserstraße 30. "Es wurde ab 1320 errichtet und ist eines der ältesten Häuser Rostocks", sagt Joachim Meier, der als Vertreter der Eigentümer die Führungen übernahm und dabei ein wenig zur Geschichte von Gebäude und Familie erzählte. "Das Haus ist durch viele Hände gegangen, bis es 1876 von Julius Krahnstöver gekauft wurde", so Meier. Dessen Familie stammt ursprünglich aus Hamburg, hat die Geschicke der Hansestadt Rostock aber mehr als 300 Jahre lang mitbestimmt. "Heute leben noch rund 200 Nachfahren in aller Welt, zu denen wir teilweise Kontakt haben", sagt Meier.

Wechselnde Teilnehmer

"Ich habe zwar schon eine ganze Menge gesehen, aber das Krahnstöver-Haus noch nicht", sagt Gabriele Fischer. Sie ist begeistert vom Tag des offenen Denkmals und war bislang bei jeder Auflage unterwegs. "Es ist sehr interessant, man findet immer irgendetwas, was man noch nicht gesehen hat."

Das schätzen auch Sonja Scherf und Renate Girod, die ebenfalls das Kaufmannshaus besichtigten, an der stadtweiten Veranstaltung: "Das Programm ist immer sehr unterschiedlich, je nachdem wer mitmacht." Die beiden haben gestern mit einer Turmbesteigung in der St. Marienkirche angefangen und waren anschließend unter anderem noch in der ehemaligen Ausspanne im Beginenberg 2 und im Barocksaal auf Tour. "Wir sind fast immer dabei", sagt Scherf.