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Jubiläum Ein Herz für „Bauarbeiter“

Von OKRA | 19.06.2015, 15:00 Uhr

RFC-Urgestein Hanning Wachtel erinnert an prominente Fußballer, große Spiele und hoffnungsvolle Talente

Wer etwas über die Geschichte des Rostocker FC erfahren will, muss sich in dessen Vereinsgaststätte begeben. Dort erinnern nicht nur Fotos, Trikots und Zeitungsausschnitte an frühere Glanzzeiten des Vereins, sondern sind auch Zeitzeugen leibhaftig anwesend. „Wir sind quasi die
Ü 65 des RFC, treffen uns immer donnerstags und fachsimpeln. Das ist schon zu einer kleinen Tradition geworden“, sagt Hans-Erich Wachtel.

Hanning, wie das Urgestein genannt wird, feierte in diesem Jahr 80. Geburtstag und prägte als Abteilungsleiter Fußball über Jahrzehnte den Verein. Dabei war der gebürtige Rostocker nie für den Club am Ball, stieß erst 1964 dazu und fungierte zunächst als Mannschaftsleiter. „Damals spielten wir als Motor Nordwest nur in der Bezirksklasse“, erinnert sich Wachtel. Mit dem Wechsel des Trägerbetriebs zum Wohnungsbaukombinat (WBK) und der Umbenennung in TSG Bau Rostock begann der Aufschwung. „Trainer Günter Madeja führte uns 1969/70 in die Bezirksliga, vier Jahre später in die DDR-Liga“, sagt Wachtel, der 1976 zum Sektionsleiter aufstieg.

Damals galt die TSG Bau als Sammelbecken ehemaliger Hansa-Spieler wie Günter Bräsel, Gerd Kische, Dieter Lenz, Manni Scharon oder Volker Patzenhauer, die ihre Laufbahn in der 2. Liga ausklingen ließen. Zudem führten Jürgen Heinsch oder Jürgen Decker im „Stadion der Bauarbeiter“ als Trainer Regie. Einzig Talent Jens Wahl nahm den umgekehrten Weg, schaffte den Sprung zum großen Oberliga-und späteren Bundesligaclub.

Dort wäre die TSG fast gelandet. Das Team feierte 1979 unter Trainer Heino Kleiminger den Titel in der DDR-Liga. „Beim entscheidenden Spiel gegen Stralsund kamen 5000 Zuschauer“, berichtet der Funktionär. Bei den folgenden Aufstiegsduellen zur Oberliga scheiterten die Rostocker. „Wir spielten bei Chemie Leipzig, verloren im Bruno-Plache-Stadion vor 20 000 Zuschauern nur mit 0:1. Unvergesslich“, schwärmt Wachtel.

Nach der Wende war der gelernte Maschinenbauer, Sportinstrukteur und Sportberichterstatter für NNN und OZ als Geschäftsführer für den RFC tätig, ehe er 2007 ausschied. Sein Fazit nach rund 40 Jahren im Sport: „Ich habe mich selbst nie so wichtig genommen. Mir lagen der Verein und seine Fußballer am Herzen. Früher war der Umgang ehrlicher. Heute sind wir froh, wenn uns mal einer zuhört“, sagt Wachtel und lächelt.