Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Ausstellung Eine Taschenuhr mit Geheimcodes

Von AENG | 02.06.2018, 08:00 Uhr

Reno Stutz stiftet Leihgabe für „Rostock. Meine Geschichte“. Eröffnung am Sonntag im Kröpeliner Tor.

Behutsam nimmt Reno Stutz eine silberne Taschenuhr aus einer der Museumsvitrinen im Kröpeliner Tor und betrachtet sie eine Weile. Es handelt sich nicht um irgendeine Uhr, sondern um die seines Großvaters. Für den Historiker hängen viele Erinnerungen an diesem Stück und es erzählt eine kleine Geschichte aus seinem Leben. „Ich verbinde mit der Uhr meinen Großvater, aber vor allem mein Studium sowie meine ersten Jahre in Rostock“, sagt der gebürtige Wismarer.

Der zirka 70 Jahre alte Chronometer ist ab morgen in der Ausstellung „Rostock. Meine Geschichte“ zu sehen, die um 15 Uhr eröffnet wird. Anlässlich des 800. Stadtgeburtstages hat die Geschichtswerkstatt dort eine Sammlung von Gegenständen zusammengestellt, die das alltägliche Leben in der Stadt darstellen. Dazu riefen die Kuratoren heutige und ehemalige Einwohner der Hansestadt auf, persönliche Dinge zur Verfügung zu stellen, an die bestimmte Erinnerungen an Rostock verknüpft sind.

Reno Stutz stiftete seine Uhr, weil sie für den 56-Jährigen noch einen ganz anderen Zweck als nur die bloße Wiedergabe der Zeit erfüllte: „Ich bin 1982 nach Rostock gekommen und habe hier Geschichte und Deutsch auf Lehramt studiert. In dem Fach Sprachgeschichte lag eine Kontrollarbeit über die mittelhochdeutschen Ablaufreihen an und ich konnte mir diese nur sehr schlecht merken. Deshalb schrieb ich mit einem Bleistift diese auf das Zifferblatt der Taschenuhr“, erzählt Stutz. Er legte den tickenden Spickzettel vor sich auf den Tisch, in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden. Gebrauch von seinen heimlichen Aufzeichnungen musste der heute freiberufliche Historiker jedoch nicht machen. „Durch das akribische Anfertigen dieser kleinen Hilfestellung hatte ich dann doch die Abfolgen in meinen Kopf bekommen und musste also nur noch auf die Zeit bis zur Angabe achten“, berichtet er.

Neben der Uhr brachte Stutz noch zwei weitere Exponate mit. „Ich arbeite des Öfteren mit der Geschichtswerkstatt zusammen und als ich von dem Aufruf hörte, habe ich sofort an die Uhr, meine Pudelmütze und die Sektflasche aus meiner NVA-Zeit gedacht“, so Stutz. Den Pudel kaufte er sich während des kalten Winters 1982. Bis heute ist er seine einzige Kopfbedeckung. „Es war eisig und ich brauchte schnell eine Mütze. Ich ging also in das Zentrum Warenhaus und kaufte mir diesen Pudel, der immer noch gute Dienste leistet“, so der Rostocker.

Sowohl die Leihgaben des 56-Jährigen als auch viele andere Erinnerungsstücke von Rostockern sind bis zum 28. Oktober täglich außer an Feiertagen auf fünf Etagen zu betrachten. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Stadt, dem Amt für Kultur, Museen sowie den Partnern Compagnie de Comédie, Literaturhaus und Lohro, die sich mit einem Theaterstück „1000 Jahre Rostock in 100 Minuten“, literarischen Spaziergängen durch die Stadt und dem Hörspiel „Kröpi 7“ an dem Projekt beteiligen.