Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion NNN

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Eine Woche Einsatz im Denkmal

Von Christine Weber | 29.11.2012, 07:29 Uhr

Mit Schutt und Staub haben Paulina und Dorota kein Problem.

Die jungen Mädchen setzen Mundschutz und Lärmschutzkopfhörer auf und schnappen sich den Bandschleifer, um damit alte Türen von dicken Farbschichten zu befreien. Zum Vorschein kommt helles, gut erhaltenes Holz. Die Mädchen aus Polen stehen mitten auf der Baustelle im Keller des Peter-Weiss-Hauses. Sie sind gekommen, um hier eine Woche lang zu arbeiten - und zu lernen.

Zusammen mit 18 weiteren Freiwilligen in der Denkmalpflege aus Deutschland und Polen nehmen sie hier an einem binationalen Seminar der Jugendbauhütte Stralsund-Stettin teil. Ein Projekt, bei dem die Jugendlichen den respektvollen und fachgerechten Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden und Kulturgütern lernen, wie Christian Barth, Leiter der Jugendbauhütte, erklärt. "Die Freiwilligen bleiben insgesamt 40 Wochen bei uns, sie lernen die meiste Zeit viel Theoretisches über die Denkmalpflege. In den Seminarwochen können sie ihr Wissen anwenden und den Nutzen sofort sehen." Finanziert wird das Projekt vor allem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Ins Café kommen Leuchter aus den Rathaus-Arkaden

Dass das Peter-Weiss-Haus für die Jugendlichen seiner Gruppe als Einsatzstelle in Frage kommt, ist für Barth ein Glücksfall. "Hier ist viel Platz und sie können viel wichtige Praxiserfahrung sammeln", sagt er. Zwei seiner diesjährigen Schützlinge sind sogar das ganze Jahr über im Peter-Weiss-Haus stationiert. Die 21-jährige Architekturstudentin Marta Plaga aus Stettin und die 20-jährige Pia Seewald helfen als deutsch-polnisches Tandem beim Umbau des denkmalgeschützten Hauses in der Doberaner Straße.

In den vergangenen Wochen haben sie sämtliche Holzfenster für den Raum aufgearbeitet, der früher die Küche des Hauses der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft war und aus dem nun ein Café werden soll. Als Wanddekoration sollen dort später die Türen dienen, die die anderen Freiwilligen gerade im Keller abschleifen. "Sie stammen aus verschiedenen Häusern der Kröpeliner-Tor-Vorstadt und der Steintor-Vorstadt. Sie konnten dort nach Umbauten nicht mehr verwendet werden", sagt Peter Writschan vom städtischen Amt für Denkmalpflege. Er freut sich, dass die Türen nicht auf den Müll wandern müssen, sondern hier zu sehen sein werden - ebenso wie die schmiedeeisernen Kandelaber, die einst in den Rathaus-Arkaden hingen. "Auch die werden gerade von den Freiwilligen bei uns aufgearbeitet", berichtet Frank Aßmann vom Vorstand des Betreibervereins des Hauses. "Ein Ziel des gesamten Projektes ist es, junge Leute für das Handwerk, die Geschichte und das Thema Denkmalpflege zu sensibiliseren", sagt Stadtkonservator Writschan. Er kommt regelmäßig ins Peter-Weiss-Haus, um den Stand der Arbeiten zu verfolgen. Denn auch wenn die Seminarteilnehmer der Jugendbauhütte ihren einwöchigen Aufenthalt abgeschlossen haben werden, geht der Umbau weiter.

Eine der großen Herausforderungen, die noch bevorstehen, ist der Möckelsaal, aus dem eine Art Bibliothek werden soll. "Dabei wird es darauf ankommen, die ursprünglichen Ornamente und Farben wieder gut herauszuarbeiten", sagt Writschan.