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Ein Artikel der Redaktion NNN

Rostock Eis erschwert den Versetzdienst

Von Reiner Frank | 17.02.2010, 06:31 Uhr

Auch die Lotsen sehnen den Frühling herbei.

"Insbesondere in den Lotsbezirken Stralsund und Wismar erfüllen wir unsere Aufgaben unter erschwerten Bedingungen, damit die Schiffe sicher ihr Ziel ansteuern können", berichtet Lotsenältermann Dr. Christian Subklew. Er machte sich kürzlich davon selbst ein Bild, als sich die Schiffe "Karla", "Astra" und "Iwan Bobrow" von der Versetzposition vor Sassnitz einen Weg durch das Eis zu den Häfen Vierow und Stralsund bahnten. Immer wieder hing eines der Schiffe fest und musste mit Hilfe des Tonnenlegers "Arkona" losgeeist werden. Um 5 Uhr war der Lotse an Bord der "Iwan Bobrow" gekommen. Um 21.30 Uhr war der Frachter endlich in Stralsund fest. "Die reine Bordzeit hat sich deutlich erhöht, dazu kommt dann noch die Anfahrt", erklärt der Ältermann.

Versetzstation für die Lotsen ist seit Anfang Januar entsprechend der Eislage Sassnitz statt Freest. Vom Schlepper "Blexen" gehen die Lotsen auf Versetzposition vor Sassnitz an Bord der Schiffe. In Wismar steht seit Ende Januar der Schlepper "Bösch" im Lotsenversetzdienst. Da Timmendorf auf Poel von Eis versperrt ist, erfolgt von Wismar die Anfahrt, was mehr Aufwand für Lotsen und ihre Fahrer bedeutet. Zudem müssen Schlepper für den Eisaufbruch der Hafenzufahrten sorgen - so auch in Stralsund, Wismar und im Rostocker Fischereihafen, berichtet Fairplay-Niederlassungsleiter Frank Herzer.

Trotz der witterungsbedingten Erschwernisse können die Lotsen einen guten Jahresauftakt verzeichnen. Die Verkehrszahlen weisen im Lotsrevier zwischen Wismar und Wolgast eine Steigerung um zehn Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres aus. Im Lotsbezirk Rostock wurden 284, in den Bezirken Wismar und Stralsund 150 beziehungsweise 80 Schiffe bedient. Und das für die insgesamt 31 Lotsen im heimischen Revier unter teilweise erschwerten Bedingungen.

Damit die Schifffahrt in Sassnitz-Mukran auch künftig auf die Dienstleistungen der Lotsen bauen kann, wurden am Montag beim Sassnitzer Hafenkapitän Eckpunkte für ein Konzept erörtert. Die Lotsen wollen ihre Leistungen gerne vorhalten, mahnen aber einen vertretbaren logistischen Aufwand an. So wünschen sie sich einen größeren Zeitvorlauf beim Ordern ihrer Leistungen. In Mukran hat die konventionelle Schifffahrt mit dem Bauvorhaben Gaspipeline zugelegt und auch für die Verschiffung von Offshore-Windkraftanlagen wird im Wettlauf mit Swinemünde eine Fläche vorbereitet.

Christian Subklew war Anfang Februar in seiner Funktion als Stellvertreter des Präsidenten der Bundeslotsenkammer in Paris. Hier erörterten Vertreter der zehn größten Schifffahrtsnationen Europas die Entwicklung des Lotswesens auf dem Kontinent. Im besonderen Blickfeld stand die Navigation mit Hilfe von Laptops. Die Elblotsen haben die so genannten Portable Pilots Units bereits getestet, in etwa zwei Jahren dürften alle europäischen Lotsen mit einer elektronischen Seekarte ausgerüstet werden, schätzt Subklew. Kritisch wurde die Konkurrenz von vier Lotsendiensten in Rumänien bewertet. Das gefährde nicht nur eine sichere Schifffahrt, die Lotsungen wurden zudem auch nicht billiger. "Sicherheit ist kein Markt für eine Freigabe des Lotswesens", unterstreicht Subklew.

Morgen hält die von ihm geleitete Brüderschaft ihre Jahreshauptversammlung in Warnemünde ab. Am Abend folgt die traditionelle Lotsfeier im Kurhaus, zu der dann auch die Senioren geladen sind.