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Schmarl Eltern fürchten um die Sicherheit

Von Michaela Kleinsorge/Rebekka Poesch | 07.11.2012, 08:14 Uhr

Sind unsere Kinder hier noch sicher? Diese Frage beschäftigt Eltern in Schmarl.

"Seit den Sommerferien lasse ich meine Tochter nicht mehr allein raus", sagt Marina Treichel, Mutter einer Achtjährigen. Zu groß sei die Angst, ihr könne etwas zustoßen. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Unbekannter in dem Stadtteil drei Kinder belästigt - und einem Mädchen dabei unter das T-Shirt gegriffen. Der Täter gab sich als Polizist aus. Zuvor hatte es in Rostock weitere Vorfälle gegeben, die die Sorgen der Eltern wachsen lassen. Jetzt fordern einige mehr Schutz für ihre Kinder vor Gewalt und Missbrauch.

Doch sind Kinder in Schmarl wirklich so stark gefährdet? Achim Segebarth, Leiter des Kriminalkommissariats Rostock, sagt: "Schmarl ist kein Brennpunkt." Zwar habe es in den vergangenen Monaten durchaus einige Vorfälle gegeben, aber die Kriminalitätsrate sei nicht höher als in anderen Stadtteilen, so Peter Ernst, Leiter der Abteilung für sexuell motivierte Straftaten der Kriminalpolizei. 2011 hätten neun von insgesamt zehn Fällen gelöst werden können. Wesentliche Veränderungen in der Statistik sind laut Segebarth in den vergangenen Jahren nicht eingetreten.

Dennoch wünschen sich einige Schmarler, dass mehr Maßnahmen zum Schutz der Kinder ergriffen werden. "Wir wollen ein sicheres Umfeld, in dem unsere Kinder wohlbehalten aufwachsen können, ohne Angst vor seelischen oder körperlichen Schäden haben zu müssen", sagt Felix Nowak vom Schmarler Sicherheitsdienst AST Security UG. Das Unternehmen hat ein Konzept entwickelt, wonach künftig mit Spendengeldern bezahlte Sicherheitsdienst-Mitarbeiter die Kinder auf dem Weg zur Kita oder zur Schule begleiten sollen. Auch eine Absicherung des Kita- oder Schulgeländes sei vorstellbar, so Nowak. In Berlin und Hamburg gebe es solche Modelle bereits.

"Ich als Mutter kann die Ängste der Eltern verstehen. Allerdings halte ich einen privaten Sicherheitsdienst für eine Form der Selbstjustiz und erwarte mehr polizeiliche Präsenz in unüberschaubaren Gebieten", sagt die Schmarlerin Sandra Reinhold. Und auch die Stadt Rostock gibt sich zurückhaltend, was das Angebot betrifft, Patrouillen vor Schulen und Kindergärten einzusetzen. Das müsse von den dafür zuständigen Gremien diskutiert werden, heißt es aus dem Rathaus. Zur fachlichen Auseinandersetzung biete sich dafür auch der Kommunale Präventionsrat der Hansestadt Rostock an. "Wir sollten alle die Augen aufhalten und im Notfall Zivilcourage zeigen", sagt Dietmar Droese, Vorsitzender des Ortsbeirates Schmarl, der jetzt gemeinsam mit den Eltern ein Konzept für mehr Sicherheit und Übersichtlichkeit erarbeiten will. Für die Tochter von Marina Treichel heißt es bis auf Weiteres: nicht allein auf den Spielplatz. Und auch auf dem Schulweg wird die Achtjährige begleitet. "Entweder mein Mann oder ich bringen sie hin, und meine Schwiegermutter holt sie ab und bringt sie zum Hort", sagt die Mutter. In anderen Familien sei das ähnlich.