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Markgrafenheide Ex-Lagerinsasse kehrt zurück

Von Maria Pistor | 22.05.2013, 12:04 Uhr

Am 1.

September kehrt Michel de Gastines an den Ort des Schreckens zurück - das Kriegsgefangenenlager B 304 in Markgrafenheide. Der 98-Jährige will dabei sein, wenn der Gedenkstein eingeweiht wird, mit dem die heutigen Bewohner des Heideortes an das Lager und seine Insassen erinnern möchten. De Gastines ist der vermutlich letzte Überlebende der 100 französischen Geistlichen, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis an der Ostseeküste eingepfercht wurden. Die Machthaber hatten Angst vor dem Einfluss der Intellektuellen auf die Insassen anderer Lager. Eine Sonderbehandlung gab es für die Kirchenvertreter nicht: Auch sie erhielten zur Erkennung lediglich eine Nummer und wurden als solche behandelt. Aus ganz Deutschland wurden sie gebracht, um als Zwangsarbeiter in den Heinkel-Werken und auf dem Flugplatz Hohe Düne zu schuften.

Franzosen halfen Flüchtlingen

Der Kontakt zu de Gastines kam über den ehemaligen Markgrafenheider Klaus Dördelmann zustande. Der lernte den Franzosen auf der Flucht kennen, als dessen Gruppe ihn und seine Mutter im Mai 1945 ins Auffanglager in der Nähe von Wismar mitnahm. "Sonst hätten sie es viel schwerer gehabt, dorthin zu gelangen", sagt Historiker Reno Stutz, einer der maßgeblichen Initiatoren des Gedenksteins. Jetzt lud Dördelmann de Gastines zur Einweihung ein. "Ich kann nicht mehr viel gehen, aber wenn Du bei mir stehst, kann ich versuchen, die weite Reise zu unternehmen", antwortete der Franzose.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen der Feier am 1. September auf Hochtouren. Die ehemaligen Schulkameraden Klaus Dördelmann und Gernot Eschenburg nutzten kürzlich ein Klassentreffen in Warnemünde, um sich mit ihren Mitstreitern zu besprechen - dem Historiker Stutz, dem Ortsbeiratsvorsitzenden Jürgen Dudek (Rostocker Bund), dem FDP-Kreisvorsitzenden Dr. Rolando Schadowski und der Französin Cècile Bonnet. Sie alle kämpfen seit Ende der 1990er für die Erinnerung an das Lager B 304.

Damals entstand innerhalb eines Projekts der Robert-Bosch-Stiftung das Heft "Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zwischen Warnow und Barthe". In der Folge setzte sich der Ortsbeirat für den Gedenkstein ein. Allerdings war lange unklar, wo genau sich das Lager befunden hatte. Historische Fotos zum Standort sind nicht bekannt und "die Landschaft hat sich in den knapp 70 Jahren enorm verändert", sagt Stutz. Jetzt seien sich die Beteiligten aber sicher.