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Kritzmow Expertin für den Streit am Gartenzaun

Von Claudia Labude-Gericke | 02.05.2013, 12:14 Uhr

Im Frühjahr verlagert sich das Leben nach draußen.

Hausbesitzer grillen im Garten, die Bäume und Hecken sprießen - jede Menge Anlässe für Streitigkeiten unter Nachbarn. Damit diese nicht immer vor Gericht enden, gibt es Schiedspersonen wie Ute von Zweydorff. Sie soll schlichten, wenn Bürger aus dem Einzugsgebiet des Amtes Warnow West miteinander streiten.

Die Gründe dafür sind vielfältig und Details ihrer Verhandlungen unterliegen der Schweigepflicht. "Aber es sind schon meist die klassischen Streitereien zwischen Nachbarn wegen der zu hohen Hecke oder dem Ast, der über den Zaun hängt", sagt von Zweydorff. Die Zankhähne kämen dabei nicht immer von allein auf sie als Schiedsperson zu, manchmal werden sie auch von Anwälten oder dem Gericht zu ihr geschickt. Denn bei Fällen, in denen es zum Beispiel um Belästigung durch Gerüche, Geräusche, Rauch, den Überhang von Zweigen oder Früchte, die beim Nachbarn runterfallen, geht, müssten die verstrittenen Parteien vor einem möglichen Gerichtstermin sowieso erst bei der Schiedsstelle vorbeischauen. "Oft kommt bei der Verhandlung dann heraus, dass die Ursache für den Streit ganz woanders liegt", so von Zweydorff. Bei einem Gespräch an einem neutralen Ort und mit ihr als unabhängiger Mediatorin kläre sich dann so mancher jahrelanger Streit. "Kommunikation ist ganz wichtig", sagt die 46-Jährige, die diesen Rat auch selbst beherzigt und mit ihren Nachbarn ein gutes Verhältnis hat.

Vor zehn Jahren fing von Zweydorff als stellvertretende Schiedsperson im Amtsbereich an, rückte vor fünf Jahren dann auf die erste Stelle. Nun überlegt sie, ob sie nach dem Ende ihrer Amtszeit im Dezember noch eine weitere dranhängt. Denn das Ehrenamt macht ihr Freude. Wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, kann die Schiedsfrau nicht beziffern. "In diesem Jahr habe ich bereits den vierten Fall - und es ist erst April", sagt sie. In manchen Jahren hätte sie dagegen auch mal keinen oder nur einen Fall. Die Tätigkeit der Schiedspersonen soll Gerichte entlasten. Am Ende steht im besten Fall meist ein Vergleich.

Ob es mehr Männer oder Frauen sind, die sich streiten, kann von Zweydorff nicht beziffern, denn oft sind es Paare, die als Grundstückseigentümer zusammen zu ihr kommen. Auch das Alter der Bürger sei gemischt. Wenn im Amtsbereich ein neues Wohngebiet entsteht, würde es oft nur ein paar Jahre dauern, bis die ersten Nachbarn zu ihr kämen. Was aus den Fällen nach der Verhandlung vor der Schiedsperson wird, weiß sie nicht. Denn generell sei meist nur ein Termin angesetzt. "Mir ist es aber lieber, ich treffe die Leute beim Einkaufen wieder, als wenn sie noch mal zu mir kommen müssen", sagt von Zweydorff.

So arbeiten Schiedsstellen

• Wer einen Termin bei der Schiedsstelle will, muss sich in seinem Amt oder bei der Gemeinde melden und 50 Euro als Vorschuss zahlen. Nach einer Ladungsfrist von 14 Tagen findet das Verfahren statt.
• Die Parteien können einen Beistand mitbringen, auch einen Anwalt.
• Die Verfahren sind nicht öffentlich und unterliegen der Schweigepflicht.
• Da sich die Kosten nicht nach dem Streitwert richten, sind sie mit maximal 21 Euro plus Auslagen für einen Vergleich deutlich günstiger als vor Gericht.