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Uni-Kolumne am Dienstag Da ist gutes Rad teuer

Von Maria Rosenberger | 13.10.2020, 07:00 Uhr

Fahrradfahren ist toll - zumindest, wenn einem nicht beim Fahren der Drahtesel abschmiert.

Jeder Mensch hat diese eine Sache, bei dem er einen ungewöhnlich hohen Verschleiß hat. Bei einem sind es Socken, beim anderen Männer, aber jeder hat so ein unheiliges Etwas, auf dem ein Fluch zu lasten scheint. Bei mir sind das Fahrräder. Allein in der Zeit, in der ich als Studentin durch Rostocks Straßen gesaust bin, habe ich vier verschiedene Rostmühlen zu Tode gefahren. Gut, rostig waren sie auch schon vorher, aber trotzdem gelang es mir irgendwie immer in Rekordzeit, die armen Dinger schrottreif zu radeln.

Die Meryl Streep unter den Drahteseln

Vielleicht lag es daran, dass sie alle schon ein paar Jahre auf dem Sattel hatten, aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Bei meinem jetzigen Drahtesel sollte das anders werden. Es handelt sich dabei um ein altes, aber sehr schönes Peugeot-Fahrrad, das das Adjektiv "alt" eigentlich nicht verdient. Passender wäre "vintage" oder "retro", was soviel bedeutet wie "alt, aber cool". Mein Rad ist sozusagen die Meryl Streep unter den Drahteseln. Das zu verschrotten käme einer Sünde gleich, also habe ich mir vorgenommen, besser auf die betagte Dame acht zugeben. Ich habe sie liebevoll auf den Namen Dagmar getauft.Von all meinen fahrbaren Untersätzen hat Dagmar bislang am längsten durchgehalten, deshalb bekam sie vor zwei Wochen eine Reparatur epischen Ausmaßes. Sogar die Bremsen funktionieren wieder, ist das zu glauben?! Einfach toll! Wenn wir bei Regen jetzt Abhänge runtersausen, fühle ich mich endlich wieder sicher. Dagmar steht jetzt vermutlich auch viel weniger Angstzustände aus.