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Ein Artikel der Redaktion NNN

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Familienglück in der KTV

Von NICP | 07.01.2016, 16:00 Uhr

Tino Hermann und Lucy Feller sind mit ihren Kindern ins Studentenviertel gezogen und würden das nicht mehr rückgängig machen wollen

Hinter dem Neptun-Einkaufscenter, wo die KTV ruhiger wird, wohnen Tino Hermann und Lucy Feller mit ihren Kindern Phil und Lena. Ihre Wohnung gehört zu dem Teil der Kröpeliner-Tor-Vorstadt, der am Wasser liegt. Denn nein, das ist nicht für die ganze KTV der Fall.

Der Stadthafen zählt zur Stadtmitte und zwar komplett bis zum Fähranleger Kabutzenhof. „An und für sich wäre es sinnvoll, die Grenze zu verlegen“, sagt Hermann. Aus dem Ortsbeirat des Viertels, in dem er sich jahrelang engagiert hat, kennt er die Verwirrung über die Zugehörigkeiten. Carl-Hopp-Straße, Am Bahnhof Bramow und sogar das Eros-Center gehören zur KTV. Das wissen viele Einwohner nicht, vor allem Studenten nicht, für die die KTV oft nur eine Durchlaufstation ist. Sie wählen sie aufgrund ihres Szenecharakters und der Nähe zur Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in der Ulmenstraße als Wohnort. So gibt es viele WGs und Bewegung.

„Die KTV ist ein Studentenviertel, aber die Familien ziehen nach“, sagt Lucy Feller. Sie haben die KTV bewusst gewählt. „Wir haben anfangs in Reutershagen gewohnt. Dann wurde uns die Wohnung zu klein und wir sind da hingezogen, wo Kitas und Schulen sind“, sagt Hermann. Auch die Nahverkehrsanbindungen sind sehr gut, ergänzt seine Partnerin, „nur nicht nach Schmarl“. Dort arbeiten die beiden bei den Stadtwerken – sie im Controlling, er als Energiehändler. Sie fährt mit dem Auto, er mit dem Pedelec. Über das duale Wirtschaftsinformatikstudium beim Unternehmen hatten sich der Berliner und die Brandenburgerin kennengelernt. In Rostock sind sie schnell heimisch geworden.

„Als Oasen empfinde ich einige Hinterhöfe wie den Spielplatz in der Borwinstraße und den Lindenpark“, sagt Hermann. Viele Plätze erschließe man sich erst mit Kindern. Phil ist vier Jahre und Lena zehn Monate alt. Die Kita ihres Sohnes ist für beide einer ihrer Lieblingsorte: Der Waldemarhof zieht junge Eltern durch das ansässige Café mit moderaten Preisen und Platz zum Spielen für die Kleinen an. „Es ist eine Art Begegnungszentrum“, sagt der 31-Jährige. Auch die Frieda 23 hat ihre Elternschaft den beiden Wahlrostockern erschlossen. In der dort ansässigen Kinderkunstakademie hatten sie im November Phils vierten Geburtstag gefeiert. „Die KTV ist total kinderfreundlich“, resümiert Lucy Feller. Für ältere Leute findet sie es schon schwieriger. Durch den Stellplatzmangel seien viele Querungsbereiche zugeparkt und damit beschwerlicher. Dennoch leben Menschen aller Altersgruppen in der KTV. „Es ist eine gute Mischung“, sagt die 32-Jährige. Mit Volkstheater, dem alternativen Kino Liwu, dem Peter-Weiss-Haus, Clubs und Kneipen pulsiert der Stadtteil. Doch auch im jüngsten Viertel der Stadt ist nicht alles Gold. „Was mich stört sind die Hundehinterlassenschaften“, sagt Hermann. Jetzt, da er mit dem Kinderwagen unterwegs sei, falle ihm das mehr auf. „Aber insgesamt hat sich die Ordnung gebessert in den letzten Jahren“ – es gebe weniger Müll auf den Straßen.

Das wohl offensichtlichste Problem des Viertels: die Parkplatznot. „Die Leute müssen sich von dem Gedanken verabschieden, dass jeder einen Parkplatz bekommt“, sagt Hermann. Wenn die Fahrradwege besser ausgebaut wären, würden das viele wohl auch. Dass dem nicht so ist, stört ihn. Immerhin 1000 Kilometer im Jahr legt der Familienvater mit dem Rad zurück. Das Fahrrad ist das wohl häufigste Fortbewegungsmittel im Viertel. Was neben Kopfsteinpflaster stört? – „Wir brauchen mehr Fahrradstellplätze“, sagt Hermann. Und mehr Lampen, findet seine Partnerin – an der Kaikante. „Am Matrosendenkmal mag man abends kaum noch langgehen“, findet Lucy Feller. Aber wegen der Mankos wegziehen? – „Nein, wir wollen unbedingt hier wohnen bleiben“, sagt er.

Das Fazit