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81. Warnemünder Woche Fest der Segler vor dem Start

Von Monika Kadner | 02.07.2018, 12:00 Uhr

Zur 81. Auflage werden Sportler aus 33 Nationen erwartet. 300 Frauen und Männer ehrenamtlich dabei. Jürgen Missing im Interview.

Gerade gehört der Hansetag der Vergangenheit an, schon rückt die 81. Warnemünder Woche ins Blickfeld. Nur zwei der Großereignisse im 800. Jahr von Rostock. Noch wenige Tage, ja Stunden, und besonders die Warnemünder Mittelmole, das Areal der Yachthafenresidenz auf der Hohen Düne werden beherrscht vom Aufriggen, Auftakeln, vom Segelvermessen, vom ununterbrochenen Kranen, von freudigen Ausrufen und Abklatschen über die Wiedersehensfreude, wenn über 1800 Sportler mit ihren fast 900 Booten von der Ein-Mann-Jolle bis zur Hochseeyacht sich treffen. Das große Fest des Segelns mit Athleten aus 33 Ländern steht bevor. Seit elf Jahren ist er quasi der Kapitän dieser Segelveranstaltung: Jürgen Missing. Mit dem Mitglied des Warnemünder Segelvereins, Chairman dieses Segelfestes, hat unsere Reporterin Monika Kadner gesprochen.

Herr Missing, Sie gelten als der Kapitän der Warnemünder Woche …
Langsam. Kapitäne h.c. haben wir viele: Axel Mumme beispielsweise, der über die Finanzen wacht, den Landchef und Hafenmeister Axel Ziems, Ann-Christin Huhn, die Organisatorin für Startschiffe und Schlauchboote, Johannes Höhn, der Mann für alles als mein Stellvertreter, Event-Manager Ralph Bergel, den Sportdirektor Peter Ramcke … Ich bin mehr der Lotsenöllermann, der versucht, alles zu koordinieren, auf alles einen Blick zu haben.

Und der für einen Schnack immer bereit ist?
Klar, mit guter Laune kann man so viel erreichen. Die rührigen Frauen, die bei Sonnenaufgang die Brötchen für die Sportler belegen, warten noch vor der Frühstückszeit darauf, dass ich jeden Tag einen neuen Vierzeiler parat habe. Dann wird erst mal gelacht und schon kann der Tag gar nicht mehr vor sich hin dümpeln. Aber mal im Ernst: Für so eine hochkarätige Veranstaltung wie die Warnemünder Woche – im internationalen Regattakalender dick unterstrichen – braucht man mehr als mal gut Segeln zu können, Teamgeist zu beweisen und Organisationstalent. Deshalb wird auch die 81. Auflage wie schon alle vorhergehenden auf vielen Schultern getragen – ehrenamtlich.

Wer hilft mit?
Sportler und deren Familien kommen aus allen Bundesländern, um den Warnemünder Segelverein, der gemeinsam mit dem Rostocker Yachtklub, dem Akademischen Segelverein und vielen anderen Vereinen der Ausrichter ist, mit ihrem Wissen zu unterstützen. Eine einzige erhält ein Gehalt: Nicole Brun, die Winter wie Sommer viele, viele organisatorische Fäden in der Hand hält. Im Moment glühen ihr die Ohren vom Telefonieren, denn sie muss rund 150 Leute so unterbringen, dass es der Klub auch bezahlen kann.

Wie bringt sich die Stadt Rostock mit ein?
Wir sind beispielsweise froh, dass für die abgerissenen Stege auf der Mittelmole Pontons eingeschwommen werden. Das hätten wir finanziell allein nicht geschafft. Außerdem ist aktuell in der Tourismuszentrale eine Abteilung mit zwei Mitarbeitern eingerichtet worden, die ähnlich wie das Büro Hanse Sail aufgestellt werden könnte. Die Stadt ist bisher auch immer eingesprungen, wenn in der Vereinskasse durch die Warnemünder Woche ein Loch klaffte. Wir segeln voll im Wind, um 2018 bei einer Null in der Bilanz festzumachen.

Welches ist die Achillesferse der Woche?
Viele Rostocker Firmen zeigen jahrein, jahraus Flagge im Sponsoring. Wenn mal jemand abspringt, dann ist das schwierig auszugleichen. Oder wenn Startgelder ausfallen, weil nicht angereist wird durch schlechtes Wetter. Aber bloß nicht den Klabautermann an Bord rufen …

Wenn sich Wünsche für diese Tage im Juli erfüllen würden, welche wären das?
Dass wir eine noch deutlichere Rückendeckung von der Landesregierung erhalten würden. Neidvoll sehe ich zur Kieler Woche, die mit einem ansehnlichen Millionenbetrag finanziell vom Land unterstützt wird. Davon träumen wir. Neidisch bin ich auch, wenn ich höre, dass der Bürgermeister von Travemünde es sich nicht nehmen lässt, selbst mitzusegeln und jeden Tag während der Woche nach dem Rechten schaut. Große Bauchschmerzen bereitet uns ebenso, dass es nicht 100-prozentig gelingt, diese Segelwoche den Touristen besser darzustellen. Denn sie sollen nicht denken, sie seien auf eine große Kirmes geraten. In diesem Jahr passt es schon besser. Wir haben die Europameisterschaften im Kitesurfen an den Warnemünder Strand geholt. Das gibt hautnah beste Fotomotive. Vielleicht entdecken ja dann noch mehr einheimische Firmen für ein Sponsoring ihr Herz. Zu guter Letzt wünsche ich mir, Rasmus möge den Wind so blasen, dass alle Boote auf Regattakurs gehen können.

Was ist bis zum Hissen der Flaggen aller Teilnehmer noch zu tun?
Wir gehen in diesen Stunden nochmals alles durch, wollen jeden möglichen Fehler entschärfen, damit die Segler von den anspruchsvollen Regatten mit rotem Kopf, aber voller Freude Warnemünde verlassen – und wiederkommen.