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Zucht für Mangalitza-Schweine Fette Schweine sind zurück

Von Claudia Labude | 15.05.2012, 10:11 Uhr

Mangalitza-Schweine waren beinah von den Tellern der Europäer verschwunden. In Kooperation mit ungarischen Wissenschaftlern haben Dummerstorfer Forscher nun dafür gesorgt, dass die Rasse eine Renaissance erlebt.

Wer eine aussterbende Nutztierrasse erhalten will, der muss sie fressen. Mit dieser Regel antworten die Forscher vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) gern, wenn sie nach Gründen für das Aussterben bestimmter Tierarten gefragt werden. Die Nachfrage der Kunden bestimme die Zucht. Und die ungarischen Mangalitza-Schweine, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Delikatesse galten, waren fast von den Tellern der Europäer verschwunden. In Kooperation mit ungarischen Wissenschaftlern haben die Dummerstorfer Forscher nun dafür gesorgt, dass diese traditionelle Rasse eine Renaissance erlebt.

Den Tierbestand auf 60 000 erhöht

Mit ihrem hohen Fettanteil und dem besonderen Fleischgeschmack waren die Mangalitza-Schweine einst äußerst beliebt in weiten Teilen Osteuropas und der ehemaligen Habsburger Monarchie. Schinken oder die bekannte ungarische Salami stammen von dieser Rasse. "Die veränderten Ernährungsgewohnheiten und eine steigende Nachfrage fettarmer Rassen waren jedoch Gründe, die fast zum Aussterben führten", sagt Prof. Klaus-Peter Brüssow, der im FBN die Forschungen leitete. Auch die späte Schlachtmöglichkeit sowie die geringe Fruchtbarkeit der Mangalitza reduzierte ihren Bestand drastisch.

Waren es 1940 noch 30 000 Säue, so blieben es Mitte der 1990er-Jahre kaum mehr als einige hundert. Und von einst fünf Arten existieren heute nur noch zwei. Wissenschaftler aus Dummerstorf und Ungarn haben nun die Ursachen für die geringe Fruchtbarkeit der Rasse gefunden. Dazu reisten die hiesigen Forscher immer wieder ins ungarische Herceghalom und brachten Proben zur Untersuchung mit nach Dummerstorf. "Speziell für die Mangalitza entwickelte minimal-invasive Methoden erlaubten die präzise Untersuchung der Eierstöcke und der Eizellenentwicklung", sagt Brüssow. So kam heraus, dass deren geringe Fruchtbarkeit unter anderem hormonbedingt und in der Zucht zu begründen ist. Die ist nämlich auf einen hohen Fettanteil ausgerichtet gewesen.

"Die Mangalitza-Schweine sind ja fruchtbar, aber im Vergleich zu einem normalen Hausschwein, das bis zu 16 Ferkel bekommt, haben sie nur sechs bis acht bekommen", ergänzt Fachtierarzt Dr. Andreas Vernunft. Für die Züchter sei das natürlich unrentabel.

Mittlerweile haben die Forschungsergebnisse aus MV und Ungarn dazu geführt, den Bestand auf 60 000 Tiere zu steigern, sodass eine wirtschaftliche Viehzucht wieder möglich ist. Schinken, Speck und Salami seien Spezialitäten, die zunehmend auch den europäischen Markt erobern. Außerordentlich beliebt sind Mangalitza-Produkte bereits in Japan und den USA.